Die Hamburgische Geschichte  

     
Aufgeschrieben von Jürgen J.Wenzel © 1998 - 2005

Mit Anmerkungen über die Hamburger Freimaurerlogen in blauer Schrift


Die nichthamburgischen Ereignisse sind fett dargestellt

Dichte Nebel liegen über Alster und Elbe...

Eigentlich beginnt die Hamburger Geschichte vor 15 000 Jahren zum Ende der Eiszeit (ältere Steinzeit), als hier Jäger und Sammler ihre Lager aufschlagen (Funde bei Meiendorf).

Zur gleichen Zeit entstehen in Südfrankreich Höhlenmalereien.

4000 - 1800 vor Chr.

Das ist zu der Zeit, als die Elbe noch bei der Doggerbank mündet und Skandinavien zu Fuß erreicht wird. Das Urstromtal der Elbe von Geest zu Geest wird langsam durch Aufschwemmungen und Ablagerungen mit Inseln gefüllt. In der Jungsteinzeit werden die Jäger in der Ahrensburger Stufe sesshaft.

9000 bis 8000 vor der Zeitrechnung entstehen hier Siedlungen. Die Steingräber und die Schnurkeramik sind Zeitzeugen aus der jüngeren Steinzeit

5000 v. Chr. ersteht das alte Ägypterreich

Vor 3000 v. Chr. entsteht die Kultur der Sumerer zwischen Euphrat und Tigris.

Um 2590 bis 2470 v. Chr. wirken in Ägypten die Pyramidenbauer wie Cheops, Chefren und Mykarenos (4. Dynastie)

In der Bronzezeit 1800 - 800 v. Chr. existieren Handelswege nach Norden.

Um 800 v. Chr. bringt eine Klimaveränderung gemäßigtes Wetter.

Aus der Eisenzeit 800 v. Chr. bis 350 n. Chr. stammen die vielen Feuerstellen rund um Hamburg. Hier wird Raseneisenstein verhüttet und man fertigt Waffen, Schmuck und Haushaltsgerät.

1200 v. Chr. wird Troja zerstört.

Um 900 v. Chr. wirkt der Prophet Elias in Israel

753 v. Chr. Gründung Roms

Um 500 v. Chr. stiftet in Indien Siddharta Gautama den Buddhismus und Kung-Fu-Tse predigt in China

323 v. Chr. stirbt Alexander der Große

Vor über 2.000 Jahren ist die Gegend vom heutigen Oldesloe über Ratzeburg, Mölln, Lauenburg, Lüneburg und wieder hoch bis Itzehoe, quer ab nach Segeberg von den Langobarden besiedelt (Bardowick). Während der Völkerwanderung zieht dieses Volk nach Süden und begründete die

heutige Lombardei in Norditalien (712-774).

7 v. Chr. wird der bekannte Zimmermannssohn Jesus in Nazareth geboren

Der römische Geschichtsschreiber Ptolomäus berichtet im 1. Jahrhundert n.Chr. von einer Stadt namens "Treua", die an der Stelle des heutigen Hamburg gestanden haben soll (oder wenigstens in der Nähe). Die Belege für eine Besiedelung durch die Sachsen (Sassen) im Bereich der heutigen Stadt Hamburg gehen bis ins 4. Jh. n.Chr. zurück; die ältesten bisher gefundenen Baureste werden ins 5. bis 6. Jh. datiert.

Um 400

Die Merowinger schaffen die ersten mittelalterlichen Herrschaftsstrukturen

610 n. Chr. fühlt sich Mohammed berufen den Islam zu begründen

Zu Beginn des 9. Jh´s drängen die Franken unter der Herrschaft der Karolinger nordwärts bis zur Elbe vor. Sie legen unter Karls des Großen Legaten Otho - vermutlich ab 810 bei dem Dorf Hamme (Hemmnis im Gelände, Wald) nahe der Alstermündung in die Elbe - einen befestigten Stützpunkt für die Missionierung des Nordens (Schleswig-Holstein, Dänemark) an, der 834 erstmals als Hammaburg dokumentiert ist.

812

Heridag, Hamburgs erster Priester stirbt.

831

Der französische Benediktinermönch Anscharius (Ansgar), Apostel des Nordens, missioniert ab 826 in Schleswig-Holstein und wird 832 der erste Bischof des 831 errichteten Bistums Hamburg. Als 845 die Wikinger unter König Erich Hamburg zerstören, verlegt Ansgar den Bischofssitz nach Bremen. 864 wird er Erzbischof des neu errichteten Erzbistums Hamburg-Bremen.

840

Das Reich wird geteilt. Das Frankenreich fällt Karl dem Kühnen zu und das Sachsenland Ludwig dem Deutschen.

865

Ansgar stirbt. Rimbert, sein Ziehsohn wird Bischof (bis 888)

888

Adalgar wird Bischof (bis 903)

909

Hoyer (Hoger) wird Bischof (bis 916). Bis 915 wird Hamburg ein paar Mal von den Wikingern und den Obotriten überfallen, geplündert und eingeäschert.

917

Reginward wird Bischof (bis 918)

918

Urwanus wird Bischof (bis 936)

937

Zunächst sind Handwerker und Händler ansässig geworden, die 937-983 den; Erzbischof Aldag (Ratgeber Kaiser Ottos) stellt jedoch wieder ein befestigtes Erzbistum her. Sogar einen Papst sieht Hamburg Mitte des 10. Jh.s in seinen Mauern: abgesetzte Benedikt V. findet bis zu seinem Tod 965 hier Zuflucht und wird im Chor des Doms begraben, bis seine Gebeine 999 nach Rom überführt werden. Um 950 hat Hamburg etwa 500 Einwohner. Der langsam aufblühende Handel wird durch den Obotritenüberfall (die alten Mecklenburger) des Jahres 983 zunichte. Die Siedlung mit Schule, Kirche und Kloster wird niedergebrannt. Nur allmählich kommt der Wiederaufbau in Gang.

988

Libenz I. ist Bischof bis 1003

1013

baut Bischof Unwanus den Dom und die Stadt aus Holz wieder auf. Er setzt 12 Domherren zu einem Kapitel ein.

1029

Libenz II. ist Hamburger Bischof bis 1032

1035

Erzbischof Bezelin Alebrand richtet einen neuen Dom aus Stein auf. Neue Gebäude und eine runde erzbischöfliche Altstadt werden angelegt. Die Petrikirche entsteht als Marktkirche. Um 1050 hat Hamburg 800-900 Einwohner, zur Hälfte Geistlichkeit, zur Hälfte Bürger. Zwischen Erzbischöfen und sächsischen Herzögen entsteht im Lauf des 11. Jh.s ein Wettbewerb um die Vorrangstellung, der sich in beiderseitigem Bau von Burgen (u.A. auf dem Süllberg) ausdrückt. Adalbert von Bremen will Hamburg zum Mittelpunkt des Christentums für den ganzen Norden machen.

Als Bischof Adalbert (Graf von Wettin aus Meissen) 1066 gestürzt wird, benützen die wendischen Obotriten unter Kruko, dem Tyrannen der Wenden, die Gelegenheit, um zweimal (1066 und 1072) Hamburg zu überfallen und zu zerstören. Vorläufig residieren die Erzbischöfe nur noch in Bremen.

1072

Erzbischof Limar I. residiert bis 1101 - wieder in Hamburg

1095   

Papst Urban ruft zum "Heiligen Krieg"

1099   

I.Kreuzzug, Gottfried von Bouillon erobert Jerusalem1101

Erzbischof Humbert (Hubertus) bis 1104

1104

Der Elblauf wir von Erzbischof Friedrich I. eingedeicht.

1118   

Gründung des Templerordens in Jerusalem durch die Franzosen Hugo de Payens, André de Montbard, Godefroi de Saint-Omer, Payens de Montdidier, Archambald de Saint Amand, Godefroi Bisol und den beiden Zisterziensermönchen Konrad und Gundemarden.

1128

residiert Erzbischof Adalbert II. bis 1148

1147   

II.Kreuzzug. Aufruf durch Papst Eugen III.

1148

Erzbischof Hartwig I. erhält den 5. Freiheitsbrief von Friedrich II.

1155   

Friedrich Barbarossa wird zum deutschen Kaiser gekrönt.

1168

Die erste Nikolaikirche (nach Nikolaus, dem Schutzpatron der Seefahrer) wird von Erzbischof  Balduin (aus Thüringen) eingeweiht.

1178

Siegfried, der Sohn Albrecht des Bären wird Bischof in Hamburg

1189

Ein wirklich erteilter Freibrief für die Hamburger Neustadt, den eine um 1165 auf den Namen Kaiser Friedrich Barbarossas "gefälschte" Urkunde wiedergibt, verleiht der Neustadt besondere Handels- und Schifffahrtsrechte. Hamburg hat etwa 1000 bis 1500 Einwohner. Sachsenherzog Lothar (später Kaiser) verleiht die Grafschaften Holstein, Wagrien und Stormarn - und damit Hamburg den Grafen Schauenburg, die von der Weser bei Rinteln stammen. Sie berufen Siedler aus dem Westen. Es kommt zu Vereinbarungen mit den Slawen, die christianisiert und assimiliert werden. Die Elbmarschen werden eingedeicht. Unter Graf Adolf III. von Schauenburg entsteht eine Kaufmannssiedlung, der erste Alsterhafen wird angelegt. Burchard ist Bischof.

3. Kreuzzug mit Friedrich Barbarossa, Richard Löwenherz und Philipp II.

1190

Eine Abwesenheit des Grafen, der am Dritten Kreuzzug 1190-1292 teilnimmt, nutzen die Hamburger Bürger, um sich von gräflicher Bevormundung zu befreien. Die beiden Stadtteile - das ehem. Erzbistum und die gräfliche Neustadt (zus. 1000-1500 Menschen) - wählen 1190 einen aristokratischen Rat, und um 1200 werden zwei Rathäuser errichtet. Während einer 1202-1225 bestehenden Dänenherrschaft (Waldemar II.) schließen sich beide Stadtteile eng zusammen: Ab 1216 hat die vereinte Stadt einen Rat, mit Herrschaft auch gegenüber den Grafen behauptet wird. Ab 1292 hat der Rat gesetzgebende Gewalt. Bis 1459 symbolische Herrschaft der Schauenburger.

Friedrich Barbarossa ertrinkt im Fluss Saleph.

1189   

Der Deutsche Ritterorden wird gegründet

St.Georg

Vor fast 800 Jahren wird dieser Stadtteil erstmalig (1198) erwähnt als Graf Adolph III. von Schauenburg das Hospital St.Georg unter dem Erzbischof Hartwig II. vor der Stadt nahe der Alster erbauen lässt. Die letzten Ziegel im Klosterformat werden 1970 bei einem Großbau entfernt. Dieses Asyl für Aussätzige durch Seefahrt und Kriegsfolgen nennt man auch Siechenhaus. Das Land herum ist Klosterbesitz und bleibt Jahrhunderte unbebaut. Mit dem "Neuen Werk" einer weiteren Wallanlage als Vorwerk zwischen Alster und der Billeniederung, entsteht etwa 1679 dieses Schutzsystem für kriegerische Zeiten.

Seit langem steht das Krankenhaus St. Georg hier, welches Wimmel 1820 errichtet und schon 1855 erweitert. Der Hauptbau von 345 m Länge besitzt 2000 Betten und gilt in Europa als vorbildlich - geheizt wird mit Kachelöfen!

St.Georg kommt erst 1830 zusammen mit St. Pauli offiziell in den Genuss Vorstadt zu sein. Die beiden Stadterweiterungen unterscheiden sich bis heute voneinander durch das typische St. Pauli mit Elbbrise und das besondere St.Georg mit Alsterblütenduft!

Dieser teils vom Kriege verschonte und lebendiggebliebene Stadtteil ist gekennzeichnet als 'immer schon zwischen reich und arm'. Die Reichen wohnen am Alstergestade in klassizistischen Villen und Stadthäusern ..... und dann kommt 1906 der Hauptbahnhof und Nobelhotels schießen aus dem Boden und später folgen Versicherungen und Genossenschaften usw. mit Hochbauten - aber kurz dahinter zur Koppel beginnt die Armut und so ist´s geblieben.

Das leichte Gefälle zur Alster ist auch willkommen für die frühe Bebauung des Stadtteils bis zur Langen Reihe, dem späteren Ortszentrum mit vollem Leben. Wenn zunächst hinter dem heutigen Schauspielhaus auf dem Borgesch Zimmererplätze und etliche Werkstätten entstehen, weil man sie ungern innerhalb der Mauern wollte, wird nie eine Industrie hier ansässig. Das A und O ist hier das 'Krankenhaus', die 'Kirche' und die wohltätigen 'Stiftungen'.

Vergnügungsetablissements wie auf St. Pauli entstanden mit dem neuen Hauptbahnhof.

Um den Hansa-Platz mit Brunnen im Hanse-Straßenviertel etablieren sich viele Hotels, Pensionen und amouröse Kontaktstätten. Der Steindamm jedoch ist die Hauptstrasse - in jeder Beziehung und die Verkehrsmittel nach Hohenfelde, Eilbek und Wandsbek geben dieser Strasse großstädtisches Gepräge.

Die Lange Reihe bleibt eine stadtteilbezogene Geschäftsstrasse für die Bewohner mit kleinerem Einkommen. Heute ist sie eine 'Perle', weil 'Tante Emma' und die vielen kleinen sauberen Geschäfte dominieren, vor allem für die Menschen, die Neubürger oder heimische Ausländer sind. Diese Bürger haben nach dem Kriege ihren Stadtteil wieder aufgebaut, renoviert und somit eine gute Note gegeben, denn auch Kunst und Handwerk ist hier heimisch.

Die Erwähnung der Klöster Johannes und Maria Magdalena mit Bettelmönchen und dem Siechenhaus gehen auf das Jahr 1220 zurück, in welchem Graf Albrecht vor Orlamünde eine Kapelle geweiht haben soll (nach anderen Angaben ist sie bereits 1196 erwähnt). Um 1605 wird die Spitalkirche erneuert und 1627 zur Pfarrkirche erhoben, St. Jürgen zu St. Georg wird die heutige Dreieinigkeitskirche. 1742-47 entsteht als Ersatz der heutige Kirchenbau an der Koppel/ St.Georgskirchhof. Die 1943 zerstörte Kirche wird in den Jahren 1954-57 wieder aufgebaut.

1202

IV.Kreuzzug nach Aufruf von Papst Innozenz III.

1208

Die vorläufig letzten Erzbischöfe Gerhard I. und Gerhard II. residieren noch bis 1222 an der Elbe. Danach wird das Erzbistum nach Bremen verlegt. Der nächste Hamburger Erzbischof kommt erst kurz vor dem Jahre 2000 nach Hamburg...

Albigenserkriege in Frankreich

Franz von Assisi gründet den Franziskanerorden

Der Kinderkreuzzug unter der Führung fanatischer Kleriker nimmt ein furchtbares Ende: Die meisten Kinder werden als Sklaven verkauft

1215   

Djingis Khan erobert Peking

1224   

Der dänische Graf Albrecht von Orlamünde ist Regent von Hamburg.

1228   

V.Kreuzzug unter Leopold VI. von Österreich und Andreas von Ungarn1240   

Ab 1240 legen die Hamburger eine neue Befestigungslinie an mit Mauern, Gräben und Toren, wie sie heute noch in Straßennamen fortleben: Glockengießerwall, Alstertor, Millerntor u.a. Die Stadt wächst bis 1300 auf 5000 Einwohner: Handwerker, Schiffer, Händler, Geistliche. Im Rat bestimmen die reichen Kaufleute, die zugleich den Handel ausweiten, bei dem zunächst Lübeck und Lüneburg (Salzstraße!) führend waren. Im Zuge der raschen Bevölkerungszunahme (bis 1450 annähernd 15000 Einwohner) kommen die heutigen äußeren Stadtteile Bergedorf und Ritzebüttel (= Cuxhaven) durch Erwerb oder Eroberung an Hamburg. Im 14. Jh. Werden folgende Vororte hamburgisch: Groß Borstel, Eimsbüttel, Eppendorf, Winterhude, Ohlsdorf, Langenhorn, Klein Borstel, Horn, Hammerbrook, Billwerder, Fuhlsbüttel, Eilbek, dazu Glindesmoor. Ochsenwerder und Moorwerder. Hinzu tritt 1445 Nordfinkenwerder. Die Norderelbe wird zur beherrschenden Zufahrtsstraße. Außerhalb Hamburg, in der Nähe des Baches " Pepermölenbek " , der bis 1937 die Grenze zwischen Altona und Hamburg bildete, lag ein Dorf namens Herwardshude. Der Gründer dieser Ansiedlung ist nicht mehr nachweisbar. Jahre später geht diese Ansiedlung in den Besitz Adolf IV. über, dem Grafen von Holstein, Schauenburg und Stormarn. Dieser schenkt seiner Frau, Gräfin Heilwig, dieses Gebiet als Wittum.

1240   

Entstehung des Minneliedes, der Nibelungensage, der Artussage und der Gralsgeschichte (Crétien de Troyens) in Nordfrankreich.

1227   

Adolf IV. gewinnt die Schlacht gegen den dänischen König Waldemar II. und erfüllt sein gegebenes Versprechen, im Falle eines Sieges, ein Kloster zu bauen und darin selbst als Mönch zu dienen.

1230

Errichtung des Maria-Magdalenen Klosters auf dem Gebiet der heutigen Börse.

1245   

Da der Zugang zum Männerkloster den Frauen verweigert war, erfolgte die Gründung eines eigenen Zisterzienserinnenklosters durch die heilige Heilwig, auf der Stelle des ehemaligen Dorfes Herwardshude. Dann erfolgt die Bestätigung der Gründung des Klosters durch Papst Innozenz IV.

1248   

VI.Kreuzzug.

Die heilige Gräfin Heilwig zieht sich fortan, wie ihr Mann , in das klösterliche Leben zurück. Dem Zisterzienserinnenkloster sind die Bürger aus der Stadt Hamburg wohl gesonnen. Den weit außerhalb der schützenden Stadtmauern lebenden Nonnen vermachen die Städter immer wieder Geld und Ländereien.

1261

Graf Adolph stirbt als Franziskanermönch.

1293   

Das Kloster kauft das Dorf Odersfelden an der Oberalster vom Grafen Heinrich und läßt dieses abreißen. Hier entsteht ein neues Domizil.

1295   

Das reiche Nonnenkloster zieht in das an der Alster gelegene " Vrouventhal " um.Das Sehnen der Nonnen nach einem ruhigen Platz für ihre stillen Gebete ist erfüllt. An ihrem Gründungsplatz an der Elbe wurden sie zu oft von Überschwemmungen und Flusspiraten bedroht. Die Nonnen werden so für einen anderen Stadtteil prägend: Harvestehude. Straßennamen wie Heilwigstraße, Klosterstern und Nonnenstieg zeugen von ihrem Einfluss.

1307   

Der Templerorden wird von der französischen Krone verboten und zerschlagen. Einige Templer können nach Schottland flüchten (Gründung der Schottenlogen).

1300 -

1400

Entstehung des Hansebundes. Hamburg ist führendes Mitglied der Hanse und mittlerweile eine reiche Stadt. Die Interessengemeinschaft zur Sicherung von Handelsvorteilen wächst bis Mitte des 14. Jahrhunderts auf rund 100 Mitgliederstädte an und umspannt ein Gebiet von Nowgorod, Bergen und London bis Brügge.

Einwohnerzahl Hamburgs: 5000 bis 8000.

1306

Die Herstellung von Ziegeln hat auf der Anhöhe des heutigen St.Pauli eine lange Tradition und im Jahre 1306 sind erstmals Hütten in diesem Gebiet erwähnt worden. Holzhäuser sind -jedenfalls bei betuchten Hanseaten- nicht mehr gefragt. Die Geesthöhe, die den für den Bau so dringend benötigten Ton und Sand zur Herstellung von Ziegeln in sich birgt, wird abgetragen. Bis ins 17.Jahrhundert hinein werden alle in Hamburg errichteten Steinhäuser vornehmlich aus dem Material des Hamburger Berges erbaut. Er wird somit Stück für Stück planiert. Zur Elbe fällt er weiterhin als Geestkante steil ab.

1339   

Beginn des "100jährigen Krieges" zwischen Frankreich und England

1367   

Bertram von Minden, gen. Meister Bertram, gilt als Hauptvertreter der norddeutschen Kunst des spätgotischen weichen Stils. Nachweislich lebte er von 1367 bis 1410 in Hamburg, wo er die Bilder mit Szenen aus dem Alten und Neuen Testament auf den Flügeln des Petrialtars malte. Dieser wird als "Grabower Altar" bezeichnet, weil die Hamburger St.-Petri-Gemeinde 1734 den Mittelschrein und zwei Flügel des Altars der Stadtkirche von Grabow in Mecklenburg zum Geschenk gemacht hatte.

1401   

Aushebung des Seeräuberbundes der Vitalenbrüder. Hinrichtung Klaus Störtebeckers auf dem Grasbrook. Nachdem er mehr als einem Dutzend seiner Spießgesellen durch "Vorbeilaufen ohne Kopf" das Leben gerettet hatte, stellt ihm der Scharfrichter Rosenfeld ein Bein... Nach langem Suchen findet man seine güldene Beute - in den hohlen Planken seiner Schiffe. Aus dem Gold wird eine Krone gebaut, die "heute noch" die Spitze der St. Katharinenkirche ziert...

1431   

Verurteilung der "Heiligen Johanna" in Rouen.

1459   

Als nach dem Tod des letzten Schauenburger Herzogs 1459 die Ritterschaft von Schleswig und Holstein den dänischen König Christian l. als Nachfolger wählt, gerät auch Hamburg nach außen hin unter dänische Oberhoheit (bis 1768). Jedoch gelingt es dem hamburgischen Bürgermeister Detlev Bremer, den Huldigungseid zu vermeiden und die hamburgischen Privilegien zu sichern. So ist Hamburg als Teil des Landes Stormarn zwar eine Stadt in Holstein, kann jedoch innen und außen beinahe unabhängig handeln.

1485

Johannes Bugenhagen, Mitarbeiter und Beichtvater von Martin Luther, verfasst für Hamburg nach dem Sieg der Reformation 1529 eine Kirchenordnung. Dass Hamburg die Reformation ohne schwere innere Erschütterungen durchführen kann - die konservativen Kreise der Kaufmannschaft wehren sich gegen die revolutionäre Bewegung - ist im wesentlichen seinem mäßigenden Einfluss zu verdanken.Christoph Columbus entdeckt Amerika

Der Sklavenhandel beginnt. Auch Hamburger Reeder stellen ihre Schiffe, Kapitäne und Mannschaften zur Verfügung…

1546   

In dem 1546 ausbrechenden Schmalkaldischen Krieg erweist sich Hamburg als Vorkämpferin des Protestantismus im Norden, bis der Augsburger Frieden von 1555 ein Zusammenleben beider Religionen ermöglicht. Als Folge der Religionskriege in den spanischen Niederlanden flüchten viele Holländer nach Hamburg, so dass sich die Einwohnerzahl von 1550 bis 1600 auf 40000 verdoppelt. Rechtzeitig verstärkt Hamburg abermals seine Festungsanlagen, so dass der Dreißigjährige Krieg der Stadt lediglich Belagerungen, jedoch keine Einnahme mit all ihren Folgen bringt. In der ersten Hälfte des 17. Jh.s kommen aus Portugal, Spanien und Teilen Deutschlands Juden nach Hamburg.

1552   

Es wird mit Klaus Kniphof der letzte Seeräuber hingerichtet.

1500-

Niedergang der Hanse durch die erfolgreiche Konkurrenz holländischer und süddeutscher Städte und partikularistische Tendenzen vieler Hanse-Mitglieder. Mit den großen Entdeckungen Ende des. 15. Jh.s haben sich auch die Regulierung der Norderelbe wird aus der Alster- eine Elbstadt, die nach dem Verfall der Hanse ihre Chancen in der Nordsee und im Atlantik sucht. Ende des 16. Jh.s ist Hamburg wichtigster Hafen für die Getreideausfuhr nach West- und Nordeuropa sowie nach Italien geworden.

Die Elbe wird Hamburgs Lebensader. Ab 1607 leiten Lotsen die Schiffe in den Hamburger Hafen.

1528

Durchsetzung der Reformation; andere Glaubensbekenntnisse sind in Hamburg nicht mehr zugelassen.

1567

Erster Niederlassungs-Kontrakt mit englischen Kaufleuten.

1600

Einwohnerzahl: etwa 35.000.

1613

Gründung des Akademischen Gymnasiums, das unter Joachim Jungius (1629-1640) wissenschaftliche Geltung von europäischem Rang erreicht.

1616

Hamburg und Dänemark geraten immer wieder in Gegensätze. Versucht Dänenkönig Christian IV. mit der Gründung von Glückstadt (1616) die Elbschifffahrt zu kontrollieren (was nicht gelingt), so geht sein Nachfolger Friedrich III. daran, Altona als Konkurrenz zu Hamburg zu fördern. 1536 wird Altona als kleines Fischerdorf erwähnt. 1664 macht es der Dänenkönig zur Stadt und zum ersten Freihafen Nordeuropas. Die Hamburger befestigen daraufhin ihre Vorstädte St. Georg und das spätere St. Pauli mit dem Neuen Werk von der Alster bis zur Bille. Von dem außerhalb der Befestigungsanlage liegendem Hamburger Berg aus können potentielle Feinde bequem die Stadt beschießen. Der Hamburger Senat beauftragt , da der 30jährige Krieg vor der Tür liegt, den holländischen Baumeister Johann van Valckenburgh mit der Planung und Durchführung neuer Verteidigungswälle für die Stadt.

1625   

Fertigstellung der stärksten Festungsanlagen in deutschen Landen.

Der östliche Teil des heutigen St.Pauli, der durch die Bauabtragungen seinen hügelartigen Charakter verloren hat, wird als Neustadt in das Festungswerk integriert. (Das heutige Gebiet zwischen dem Herrengraben, dem Neuen Wall, der Alster und dem Straßenzug Esplanade, Gorck-Fock-Wall und Holstenwall) Der westliche, vor der Stadt liegende Teil wird von nun an auch offiziell "Hamburger Berg" genannt. Die Reeper werden ebenfalls ein Opfer der Baumaßnahmen. Ihr Gebiet wird eingeebnet und bebaut. Sie ziehen auf den Hamburger Berg und gehen dort ihrer Tätigkeit weiter nach.

1626   

Das Millerntor wird, als Durchlass durch die Festungsanlage, gebaut ( Holzbau). Es ist die einzige Verbindung zum Westen hin und nur tagsüber geöffnet. Waren aus der Vorstadt St.Pauli wurden genauso behandelt wie die Waren aus Lüneburg, Bremen oder Kiel. Sie werden kontrolliert und besteuert. Diese sind den Hamburger Zünften ein Dorn im Auge, da sie die Handwerkskonkurrenz aus der Vorstadt fürchten. St.Pauli wird, um dies zu verhindern, nicht in die Hamburger Akziselinie aufgenommen. Durch die Besteuerung der Waren ist den Bergbewohnern der Verkauf ihrer Waren in der Stadt unmöglich gemacht worden.

1659 - 1663

Erstellung des Millerntores in massiver Steinbauweise nach den Plänen des berühmten Baumeisters Hans Hamelau.

Das Leben außerhalb schützender Mauern: Nicht nur flach, sondern auch unbebaut muss die nächste Umgebung zum Verteidigungswall sein. Die Kanoniere legen Wert auf ein freies Schussfeld, "Glacis" genannt. Daraufhin entwickelt sich die Bebauung des Hamburger Berges in entgegengesetzter Richtung. Das ehemalige Klostergebiet der gläubigen Zisterzienserinnen bildet die Keimzelle St.Paulis. Die Menschen lassen sich dort nieder. An der Grenze nach Altona und am Elbufer entstehen die ersten Bauten. Nur spärlich werden Häuser erbaut. Sie dürfen nur eingeschossig errichtet werden. Das Schussfeld der Kanonen auf den Wällen darf nicht eingeschränkt werden. Bei Kriegsgefahr müssen auf Befehl des Hamburger Senats gegebenenfalls die Bauten sofort abgerissen werden. Den Dorfbewohnern droht entweder von der einen oder anderen Seite schonungslose Zerstörung. Nur wenige sind bereit, sich hier häuslich nieder zu lassen.

1604   

Erneut kommt es zu einer Pestseuche

1605   

Die Vorstadt gehört zum Kirchspiel der Nikolaikirche, danach fällt sie in die Zuständigkeit der Michaeliskirche.

1607

Bau des Pesthofes auf dem weit vor der Stadt gelegenen Heiligen-Geist-Feldes. Er liegt im Gebiet der heutigen Annenstr./  Wohlwillstr.

1619

Die Gründung der Hamburger Bank bietet eine gesicherte Grundlage für Zahlungsverkehr und Kapitalbildung.

1623

Gründung des Admiralitätskollegiums: eine Behörde zum Schutz der Kauffahrer gegen Seeräuber und zur Hafenverwaltung.

1633   

Ansiedlung der Reeper (Seilmacher), sowie einer Ölmühle auf dem Hamburger Berg.

1649   

Ansiedlung von Trankochereien am Elbufer.

1618 - 1648

Im Dreißigjährigen Krieg erhält Hamburg seine städtische Selbständigkeit nicht zuletzt durch den Schutz, den der von 1616 bis 1626 erneuerte Wallring (von Falckenburg) bietet, und wird während der Kriegszeit zum diplomatischen Zentrum Europas. Zu dieser Zeit gibt es in Hamburg über 300 Brauereien, die die kämpfenden Truppen mit reichlich Bier versorgen. Viele Greueltaten in diesem Krieg wurden von hemmungslos betrunkenen Söldnern begangen.

1662

Einwohnerzahl: 75000

1665

Gründung der Commerzdeputation: eine Interessenvertretung der Kaufleute gegenüber dem Rat.

1667

Der Gelehrte und Naturforscher Joachim Jungius stirbt im Alter von 70 Jahren.

1673

Einführung der Straßenbeleuchtung.

1676   

Die Hamburger Feuerkasse wird als älteste Versicherungseinrichtung der Welt gegründet. Sie soll die Gebäude und den Hausrat der Hamburger Bürger zu schützen.

1677

Erstes deutsches Kaffeehaus in Hamburg.

1678

Eröffnung der ersten von Bürgern für Bürger betriebenen stehenden Oper in Deutschland. Bis zu ihrem Ende 1738 gelangen 270 verschiedene Opern zur Aufführung. Gespielt werden konnte allerdings nur an gut 150 Tagen im Jahr, nicht jedoch an Sonnabenden, Sonntagen, Festtagen, der siebenwöchigen Fastenzeit vor Ostern, der Buß- und Bettagswoche und den vier Adventswochen.

1682

Arp Schnitger, ab 1682 in Hamburg, ist der bedeutendste Orgelbauer in Norddeutschland. Von den rund 160 Werken, die er schuf, ist das größte nicht erhalten: die Orgel von St. Nikolai in Hamburg mit vier Manualen und 67 Stimmen. Erhalten ist die Orgel in St. Jacobi, die Hans Henny Jahnn zusammen mit Emanuel Kemper 1919 restauriert hat.

1686

benützt Christian V. eine Uneinigkeit in der Stadt, um drohend mit einem Heer vor Hamburg zu erscheinen. Der für die Dänen verlustreiche Kampf endet zugunsten Hamburgs, aber da die Auseinandersetzungen nicht aufhören, wird schließlich 1768 zwischen Hamburg und dem Haus Holstein der "Gottorper Vergleich" geschlossen. Hamburg verzichtet auf die Rückzahlung von dänischen Anleihen und wird endgültig auch von den Dänen als .Kaiserlich Freye Reichsstadt', unabhängig von Holstein, anerkannt. Außerdem erhält Hamburg die Elbinseln (wichtig für den Hafenausbau).

1686 - 1688

Snitger-Jastramsche Bürgerunruhen und Opernstreit: Auseinandersetzung um die Zulässigkeit des Musiktheaters zwischen "pietistischen" und "orthodoxen" Lutheranern auf dem Hintergrund des politischen Streits zwischen Bürgerschaft und Rat (die Verfassung Langer Rezess von 1529 hatte zu einer Ratsoligarchie geführt, gegen die sich Gruppen Hamburger Bürger auflehnten) und dem Krieg gegen Dänemark. Die Oper wird verboten, wieder erlaubt und wieder verboten. Nachdem Hamburg durch Reichstruppen befriedet worden ist, läßt der Protest der Pastoren gegen die Oper weitgehend nach. Existenzgefährdend für das Theater in Hamburg ist der Opernstreit nie gewesen, obwohl es den Zeitgenossen so schien.

1708

Friedrich von Hagedorn bleibt zeit seines Lebens Hamburg verbunden. Der führende Dichter der Anakreontik schreibt Oden, Lieder und Fabeln sowie das Werk "Johann, der muntere Seifensieder". Ab 1733 ist er - nach einer kurzen Zeit in London - Handelsangestellter in Hamburg.

1712

Die Machtstreitigkeiten zwischen Bürgerschaft und Rat bleiben seit dem ausgehenden 17. Jahrhundert in Hamburg ohne Klärung. Abhilfe bringt schließlich 1721 die Besetzung Hamburgs durch reichskaiserliche Truppen und ein Verfassungskompromiss: Der "Hauptrezess" ist Hamburgs Verfassung bis 1860, die sowohl aristokratische als auch republikanische Elemente enthält.

1713

Zum letzten mal wütet die Pest in Hamburg.

1717

In London wird durch dem Pastor Anderson  (Alte Pflichten) die Freimaurerei unserer Zeit aus der Taufe gehoben.

Der gebürtige Magdeburger Georg Philipp Telemann kommt nach Tätigkeit in Leipzig, Sorau, Eisenach und Frankfurt am Main 1721 als Musikdirektor für die fünf Hauptkirchen nach Hamburg und wird zugleich Kantor am Johanneum. Ein Jahr später überträgt man ihm auch die Leitung der Oper. Telemann ist im 18. Jh. einer der führenden Musiker Europas. Er gilt als Wegbereiter der Klassik.

1737

Am Abend des 6. Dezember 1737 treffen sich in dem Gasthaus "Taverne d' Angleterre" in der Hamburger Bäckerstraße der spätere königlich-preußische Hofrat und Münzmeister Charles Sarry, der niedersächsische Baron Georg Ludwig von Oberg, der Wundarzt Peter Casper, der Advokat und spätere braunschweigische Legationsrat Peter Stüven, der Importkaufmann Johann Daniel Krafft, der Eigentümer des Gasthauses Hans Arbien sowie als "helfender Bruder" Gustav Schultze. Nach noch heute gültigen freimaurerischen Regeln stiften sie an diesem Abend die "Loge d'Hambourg", die als älteste Loge Deutschlands angesehen werden muss. Bis 1787 installierten sich 4 weitere Logen in Hamburg. Darüber hinaus wurden von Hamburg aus weitere Freimaurer-Logen in anderen Landesteilen gegründet.

Der bei Perleberg geborene Pfarrerssohn Ernst Georg Sonnin lebt ab 1737 ständig in Hamburg, wo er als Architekt tätig war. Berühmt wird er vor allem durch den Neuaufbau des 1750 durch Blitz zerstörten Michels, des Turms der St.-Michaelis-Kirche. 1762 ist der Kirchenneubau beendet; aber für den Turm bedarf es neuer Gelder, so dass Sonnin ihn erst zwischen 1776 und 1786 vollenden kann. Mit dem Michel hat Sonnin nicht nur den bedeutendsten protestantischen Kirchenbau ganz Norddeutschlands geschaffen, sondern auch das Wahrzeichen Hamburgs. Sonnin war Freimaurer.

1738

Einstellung des Opernbetriebs. Das Haus wird zeitweise an reisende Opern- und Schauspiel-Gesellschaften vermietet. Der Abriss des Gebäudes erfolgt 1763.

1740

Der im holsteinischen Reinfeld geborene Matthias Claudius kommt über Kopenhagen 1768 als Journalist nach Hamburg und gibt von 1771 bis 1775 in Wandsbek den berühmt gewordenen "Wandsbecker Bothen" heraus. Danach arbeitet er als freier Schriftsteller. Mit seinem Gedicht "Der Mond ist aufgegangen" hat er ein unvergängliches Werk geschaffen. 1814 siedelt Claudius, von den Franzosen vertrieben, zu seinem Schwiegersohn, dem Verleger Friedrich Christoph Perthes, in ein Eckhaus der Großen Bleichen über, wo er im folgenden Jahr stirbt. Claudius stand in enger Verbindung mit den maßgebenden Dichtern seiner Zeit wie Klopstock , Johann Heinrich Voß und Graf Stolberg. Er vertrat in seinen Werken einen christlichen und volksnahen Realismus. Claudius war Freimaurer.

1736

Der gebürtige Hamburger Barthold Hinrich Brockes (Mitglied des berühmten "Schwanenordens") zählt nicht nur zu den in ihrer Epoche beachteten Barockdichtern, sondern vertritt seine Heimatstadt zwischen 1735 und 1741 als Amtmann in Ritzebüttel (dem heutigen Cuxhaven), dass damals zu Hamburg gehört. Am Rand von Cuxhaven erinnert noch heute der Brockeswald an ihn. Kein Dichter aus der Zeit an der Wende vom Barock zur Aufklärung hat so aufmerksam die Natur beobachtet und gleichermaßen ihren Nutzen wie ihre Schönheit gepriesen. Brockes übertrifft darin sogar Klopstock an Bekanntheit, für den er zunächst eine Art Vorläufer war. Im heutigen Jargon könnte man Brockes als Urahnen der "Grünen" bezeichnen. Brockes neunbändigem Werk "Irdisches Vergnügen in Gott" entnimmt Johann Sebastian Bach sieben Stücke für die "Johnnispassion". 

Brockes hat die "Ankunft" der Freimaurer in Hamburg  unterstützt, ist aber nie der Loge beigetreten.

1741

Gründung der Provinzialloge von Niedersachsen (Großl. v. England)

1743

Gründung der Johannisloge "St. Georg zur Fichte", zuerst als "Großloge von Hamburg, Meister vom Stuhl: Peter Molinié.

1744

Gründung der Schottenloge "Schmettow" (3WK)

1745

Gründung der Schottenloge "Judica" (3WK)

1747

Der eklekt. Bund gründet die Logen "Gideon", "Afrikanische Loge", "Goldener Adler" und "Le Candeur". Nach 1750 erloschen diese Logen wieder.

1750

Einwohnerzahl: 90000.

1757

Die neue kleine Michaeliskirche wird eingeweiht.

1762

Gründung des "Capitel von Jerusalem" (Hoch Capitel von Berlin, str. Obs.)

1756 - 1763

Siebenjähriger Krieg: Preußen wird unter Friedrich dem Großen fünfte Großmacht in Europa.

1765

Das neu erbaute Comödienhaus am Gänsemarkt wird von Conrad Ernst Ackermann eröffnet. Erste stehende Schauspielbühne der Hansestadt. Gründung der Patriotischen Gesellschaft zur Befoerderung der Manufacturen, Künste und nützlichen Gewerbe: ein Verein für Aufklärung, Vernunft und Fortschritt.

Die Loge "Absalom" erhält den Zusatz "zu den 3 Nesseln" und untersteht erst der "Strikten Observanz" dann der "Prov. LvN" und wieder der "Str. Obs."

1767

Nach Ackermanns Weggang Gründung der Entreprise "Hamburger Nationaltheater". Gotthold Ephraim Lessing gibt die "Hamburgische Dramaturgie" heraus. Auch wenn Lessing lediglich drei Jahre in Hamburg verbringt, so hat er doch mit seinem als Theaterblatt entstandenen Werk "Hamburgische Dramaturgie" Hamburgs literarischen Rang verewigt. Der aus Kamenz (Lausitz) gebürtige Pfarrerssohn wird in Meißens Fürstenschule ausgebildet, studiert in Leipzig und kommt bereits hier in Kontakt mit dem Theater, für das er als erstes Werk den "Jungen Gelehrten" schreibt, das die Neuber-Truppe aufführt. Über Berlin und nach einigen Reisen kommt Lessing nach Breslau, wo er mit dem "Laokoon" und ,,Minna von Barnhelm" seine bedeutendsten Werke beginnt. Nach Hamburg kommt Lessing, um aktiv an der Gründung einer Nationalbühne mitzuwirken, die er mit seinen grundsätzlichen Kritiken begleitet. Allerdings kommt das Theater nicht zu dem erhofften Erfolg, so dass Lessing schließlich die Stelle eines Bibliothekars in Wolfenbüttel annimmt, wo er seinen literarischen Kampf mit Hamburgs Hauptpastor Goeze führt. Nachdem "Minna von Barnhelm" in Hamburg uraufgeführt worden ist, erscheint 1779 "Nathan der Weise", freimaurerisch relevant u.A. durch das Toleranzprizip und die Ringparabel.

Der Musikdirektor und Komponist Georg Philip Telemann stirbt im Alter von 88 Jahren

Der Altonaer Arzt Johann Friedrich Struensee geht an den dänischen Hof, er schafft die Leibeigenschaft ab, saniert die Finanzen und ist mit der Königin Caroline Mathilde liiert. Der König Christian VII. leidet an Geistesstörungen, verehrt Struensee aber. Der Hof integriert gegen Struensee und er wird hingerichtet. Caroline kommt nach Celle in die Verbannung und stirbt mit 24 Jahren.

1768

Gottorper Vergleich: Hamburg wird von Dänemark als Kaiserlich-Freie-Reichsstadt anerkannt.

1769

Johann Melchior Goeze, durch seinen Fragmentenstreit mit Lessing der Nachwelt bekannt gewordener Hauptpastor von St. Katharinen, führt einen persönlichen Feldzug, ob ein Geistlicher die Schaubühne besuchen, selbst Comödien schreiben... und die Schaubühne... anpreisen könne. Die folgende publizistische Fehde wird schließlich wegen persönlicher Angriffe und Beleidigungen vom Senat verboten. Der isolierte Goeze tritt als Senior des Geistlichen Ministeriums zurück.

1770

Gründung der Johannisloge "Zu den drei Rosen" (erst "Drei goldene Rosen") Logenmeister ist J.G.von Rosenberg

Gründung der Johannisloge "Zur goldenen Kugel" (GLLvD). Logenmeister ist J.D.S.Leonhardt

Lessing tritt in die Loge ein und wird sofort - bei schon der Aufnahme bis zum III. Grad befördert. Danach hat er die Königliche Kunst nie wieder innerhalb der Loge praktiziert. Dennoch ist er einer der genialsten Freimaurer - seiner Zeit geistig weit voraus.

1771

Friedrich Ludwig Schröder übernimmt die Leitung des Comödienhauses am Gänsenarkt zusammen mit seiner Mutter Sophie Charlotte Ackermann .

Gründung der Johannisloge "Zum Pelikan". 1. Logenmeister: J.S. Kossela de Solna

1774

Gründung der Johannisloge "Zum rothen Adler", Logenmeister ist G.F.Bockelmann

Gründung der Johannisloge "Emanuel zur Maienblume". Stuhlmeister ist Wolf Heinrich von Wickede

1776

Gründung der Johannisloge "Ferdinande Caroline zu den drei Sternen", Stuhlmeister ist Vincent Lienau

1777

Die "Provinzialloge von Niedersachsen" wird in Hamburg gegründet. A.L.von Spörcken ist Provinzialgroßmeister

Gründung der Andreasloge "Fidelis". Andreasmeister ist Jacob Mumssen

Gründung der Johannisloge „Zum Großen Christoph“, 1. Logenmeister ist Heinrich Otto von Börries

1778

Lessing veröffentlicht sein freimaurerisches Lehrstück "Ernst und Falk"

1783

Gründung der Johannisloge "Flammender Stern" diese Loge war die erste, die Juden aufnahm.

1784

Der in Kopenhagen geborene Architekt Hansen lebt von 1784 an in Altona und schafft zwischen Altona und Blankenese eine Reihe bedeutender klassizistischer Landhäuser. Zusammen mit seinem Neffen Matthias Hansen macht er die Palmaille zu einem Prachtwerk des Klassizismus. Die Elbchaussee erhält durch Hansens Bauten ihr bis heute überwiegend bewahrtes Gepräge.

1804

kehrte Hansen nach Kopenhagen zurück, wo er Akademiedirektor wird.

1785

Religiöses Toleranzreglement für Reformierte und Katholiken in Hamburg; seit 1529 war in Hamburg nur das Luthertum erlaubt.

1787

Gründung der Johannisloge "Ferdinant zum Felsen". Meiste vom Stuhl ist Jacques Conrad Feldtmann

Friedrich Ludwig Schröder ist Meister vom Stuhl in der Johannisloge "Emanuel zur Maienblume".

1788

Einrichtung der Allgemeinen Armenanstalt.

1789

Ausbruch der Französischen Revolution

Einwohnerzahl Hamburgs: 100000

1791

Gesellenaufstand in Hamburg.

I794

Einwohnerzahl: 130000

1796

Hamburg führt erstmals eine 12,5 prozentige Steuer auf öffentliche Vergnügen ein, um damit höhere Gehälter für die Miliz zu finanzieren.

Gründung der Johannisloge "Carl zum Felsen". 1. Logenmeister ist Johann Heinrich Kaven

1798

Die Sonn- und Festtage während der acht Wintermonate von September bis April werden vom Hamburger Rat für Theateraufführungen freigegeben.

1803

Beerdigung Friedrich Gottlieb Klopstocks - 25000 Hamburger folgen dem Trauerzug.

1805

Abbruch des Hamburger Doms

Die portugiesische Loge "Philantrophia" wird begründet.

1806

Als Folge der Französischen Revolution fliehen viele verfolgte Franzosen auch nach Hamburg und geben dem Leben der um 1800 rund 130000 Einwohner zählenden Stadt eine neue Note. Seit dem Ende des alten Deutschen Reiches (1806) nennt sich Hamburg „Freie Hansestadt“. Kurz darauf rücken nach den Siegen bei Jena und Auerstedt französische Truppen in Hamburg ein. Die folgende Kontinentalsperre trifft die Handelsstadt hart. 1814 verlassen die Franzosen nach dem Sturz Napoleons die Stadt

1809

Die Stadttheaterdirektion suppliziert beim Rat gegen etliche Winckeltheater, die in der Stadt unkonzessioniert theatralische Vorstellungen aufführen. Als einzige erhält die Witwe Handje eine Konzession für Theater, das sie bereits seit 1804 in dem Gasthof Hotel de Rome am Valentinskamp illegal veranstaltet hat.

1809

Der gebürtige Hamburger Felix Mendelssohn-Bartholdy ist der Enkel des Philosophen Moses Mendelssohn. Sein Vater, ein Bankier, hatte zur besseren Unterscheidung von Moses den Namen seines Schwagers, Bartholdy, angenommen. Felix erhält eine sorgfältige musische Erziehung, tritt bereits mit neun Jahren als Pianist auf, beginnt im Alter von elf Jahren mit eigenen Kompositionen und trifft als gefeiertes Wunderkind mit Johann Wolfgang von Goethe, Carl Maria von Weber und Luigi Cherubini zusammen. Als siebzehnjähriger schafft er die Ouvertüre zu Shakespeares ,,Sommernachtstraum", eines seiner Hauptwerke. Bereits im Alter von 38 Jahren stirbt Felix Mendelssohn-Bartholdy.

1810

In Mannheim wird die Johannisloge "Minerva" von der "Hamburger Großloge" gegründet.

1811

"Absalom zu den drei Nesseln" geht unter die "Hamburger Großloge".

Die Johannisloge "Létolle du Nord" (Grand Ordre de Paris) wird gegründet. Sie arbeitet bis 1813.

1814

Ende der französischen Besatzung Hamburgs. Hamburg hat nur noch 100.000 Einwohner.

1815

Wiener Kongress zur Neuordnung Europas.

Hamburg wird Mitglied des Deutschen Bundes (35 Fürstentümer und vier freie Städte).

Nachdem Heinrich Heine 1815 vom Düsseldorfer Lyzeum ohne Reifezeugnis abgegangen ist, macht er eine Lehre im Bankgeschäft seines Onkels Salomon Heine in Hamburg. Von seinem Onkel bleibt er sein Leben lang finanziell abhängig.

1816

Gründung der Hamburger Turnerschaft

1817

erscheinen erste Gedichte Heines unter dem Pseudonym Freudholf Riesenharf. 1819 geht Heine mit einem von seinem Onkel finanzierten Kommissionsgeschäft bankrott und übersiedelt nach Bonn. wo er sich von seinem Onkel ein Jurastudium finanzieren läßt. Ergebnis des Hamburg- und Norderney-Aufenthalts von 1825 sind die "Reisebilder" (Teil 1). 1831 geht Heine als Korrespondent der Augsburger "Allgemeinen Zeitung" nach Paris und kehrt lediglich 1843 und 1844 nach Deutschland zurück (literarisches Ergebnis: "Deutschland, ein Wintermärchen", u.a. auch nach Hamburg.

Gründung der Johannisloge "Zur unverbrüchlichen Einigkeit" in Altona. Logenmeister ist Woldemar Nissen

Die Brücke nach Harburg wird abgebrochen.

Rats- und Bürgerbeschluss zum Beitritt zur Heiligen Allianz von Russland, Österreich und Preußen, die 1815 gegründet wurde, um revolutionäre Bewegungen zu unterdrücken und Europa "neu zu ordnen".

1823

Julius Campe übernimmt 1823 den im Jahre 1810 aus den Buchhandlungen von G. B. Hoffmann und A. Campe hervorgegangenen Verlag. Während des "streitbaren Lebens des Verlegers Julius Campe" , so der Titel einer Campe-Biographie, wird der Verlag Hoffmann und Campe Sprachrohr vor allem für die Vertreter des "Jungen Deutschland".

1824

Die von Ferdinand Laeisz gegründete Hamburger Reederei F.Laeisz wird vor allem bekannt durch die sogenannten P-Schiffe, deren Namen alle mit dem Buchstaben P begannen: "Pamir", "Passat", "Preußen" u.a. Die Flying-P-Schiffe benötigten für die Strecke Hamburg - Valparaiso knapp 80 Tage und werden hauptsächlich zur Beförderung von Salpeter aus Chile auf Fahrten um das Kap Hoorn eingesetzt. Zudem gründet Ferdinand Laeisz mit seinem Partner die Importfirma Laeisz & Lüders, die den Ostasienhandel betreibt.

1827

Eröffnung der Sparkasse, die bis heute als Hamburger Sparkasse besteht.1. Mai 1827: Letzte Vorstellung im alten Schauspielhaus im Opernhof. 3. Mai 1827: Einweihung des neuen Schauspielhauses. Erste Taubstummenanstalt in der Dammtorstraße eröffnet.

1828

Die Witwe Handje eröffnet das 600 Zuschauer fassende Theater in der Steinstraße.

1829

Karlsbader Beschlüsse: Unterdrückung der nationalen Bewegung, Verbot der Burschenschaften und Überwachung von Presse und Universitäten im Deutschen Bund.

Im Zeitalter der Restauration richtet auch Hamburg von 1829 bis 1848 eine Zensurbehörde ein.

1831

Erste allgemeine Polizeibehörde in Hamburg

1832

Gründung der Johannisloge "Boanerges zur Bruderliebe", deren 1. Logemeister E.G.A.Böckel ist

1833

Hamburg betrachtet den in seinen Mauern, 1833 geborenen Komponisten Johannes Brahms als seinen Bürger, obwohl er selbst als seine künstlerische Heimat Wien wählt. Schon mit zehn Jahren erregt Brahms als Wunderkind Aufsehen am Klavier und tritt bei Konzertreisen auf. Nach einer kurzen Tätigkeit in Detmold siedelt er nach Wien über, nachdem ihm Hamburg die Dirigentenstelle bei der Philharmonischen Gesellschaft verweigert hatte. Norddeutsche Zurückhaltung und Wiener Weichheit verbinden sich in seinem Werk, das vier Sinfonien, zwei Klavierkonzerte, Kammermusik und u.a. die Akademische Festouvertüre sowie "Ein deutsches Requiem" umfasst.

1834

Das Ordenskapitel "Inviolabilis" wird eingesetzt. 1.Kapitelmeister ist J.H.Chr.Detmer

1837

Eröffnung des neuen Hamburger Stadttheaters in der Dammtorstraße (auf dem Grund des heutigen Opernhauses). Träger ist eine Aktiengesellschaft, die im wesentlichen von den führenden Familien der Hansestadt getragen wird. Dem Stadttheater wird die seit 1796 bestehende Vergnügungssteuer erlassen. Das Theater am Gänsemarkt wird zum Wohngebäude umgebaut.

1839

Eröffnung des Sommertheaters im St. Georger Tivoli in der Vorstadt St. Georg, Leitung: Cherie Maurice

1833

Rechtliche Gleichstellung der Vorstädte St. Pauli und St. Georg.

Die neueingerichteten drei Landherrenschaften der Vorstädte und der Geest- und Marschlande werde jeweils unter dem Patronat eines Hamburger Senators verwaltet.

Der gebürtige Hamburger Johann Hinrich Wichern fühlte sich angesichts der sozialen Probleme einer wachsenden Industriegesellschaft aufgerufen, die kirchliche Arbeit vor allem sozial auszurichten und der tätigen Nächstenliebe zu widmen. 1833 gründet er in Hamburg das "Raue Haus", ein Fürsorgeheim zur Aufnahme verwahrloster und gefährdeter Kinder und Jugendlicher. Wicherns Erziehungsmethode in familienähnlichen Gruppen wurde vorbildlich für die Fürsorgeerziehung überhaupt.

1834

Auch dem Theater in der Steinstraße, das sich nun Zweites Theater nennt, wird die Vergnügungsabgabe erlassen.

1836

Lockerung der bislang totalen nächtlichen Torsperre (Öffnung gegen Gebühr)

1838

Zusammenstellung des ersten Ballettensembles am Hamburger Stadttheater unter Ballettmeister Tescher (zwei Tänzer und eine Tänzerin mit Choristinnen als Figuranten) zur Aufführung von Dramen und Schauspielen mit oder ohne Gesang.

1842

Der große Hamburger Brand entsteht durch ein Feuer in der Werkstatt des Zigarrenmachers Cohen in der Deichstraße und zerstört fast die Hälfte der Innenstadt

Die Altonaer Hafenbahn

Als 1835 die erste Eisenbahn von Nürnberg nach Fürth ihren Betrieb aufgenommen hatte, gab es bald Altonaer und Kieler Kaufleute, die Nord- und Ostsee durch eine Eisenbahnlinie verbinden wollten. Die Rivalität zwischen den Hansestädten Hamburg und Lübeck einerseits und dem Königreich Dänemark - zu dessen Machtbereich Schleswig-Holstein und Altona gehörten - andererseits, hatten zur Folge, dass definitiv am 3. Juni 1839 das Nein der dänischen Regierung erfolgte, eine Eisenbahnlinie Hamburg - Lübeck durch Schleswig-Holstein zu bauen. Statt dessen erteilte König-Christian VIII. von Dänemark 1842 die Baukonzession für eine

privatrechtlich organisierte Eisenbahnverbandverbindung vom Kieler Ostsee- zum Altonaer Elbufer, der man seinen Namen gab. War der Bau des Bahnhofs in Kiel direkt am Wasser kein Problem, so gestaltete sich die Suche nach einem geeigneten Standort in Altona äußerst schwierig. Der günstigste Platz wäre sicher

dort gewesen, wo heute die Fischauktionshalle steht. Aber der war zu nahe bei der Konkurrenzstadt Hamburg. Weiter westlich gab es den steilen Geesthang, mehr als 20 m über der Elbe. Doch es  zeigte sich: Die wirtschaftspolitische Rivalität zwischen Hamburg und Altona war schwerer zu überwinden als der Steilhang. An der ungünstigsten Stelle für ein schnelles Umladen der Waren von der Bahn aufs Schiff und umgekehrt, hoch über dem Fluss entstand der Bahnhof. Um den Steilhang zu überwinden wurde

eine Auffahrrampe mit Gleisen gebaut, die "Geneigte Ebene", auf der die Eisenbahn wagen auf Rollböcken per Seilwinden auf- und ab befördert wurden.

Gleichzeitig wurde auch eine Straßenverbindung zum Hafen gebaut. Dieses war sehr aufwendig, da große Stützen errichtet und die "Geneigte Ebene" überbrückt werden mussten. Diese Stützen, Böschungsmauern und die Elbbergüberbrückung sind heute noch vorhanden. 1849 wurde am Kai eine feststehende Dampfmaschine zum Antrieb des Seilaufzuges gebaut, bis dahin war der Betrieb mit Pferdegöpeln durchgeführt worden. Auch im 1866 preußisch gewordenen Altona unternahm man alle Anstrengungen im Wettbewerb mit Hamburg zu bestehen. Der Hafen wurde weiter ausgebaut, das Fahrwasser der Elbe über 200 m entlang der Kaimauer auf -5,74 m NN ausgebaggert. Wegen des langwierigen Umladeverfahrens wurde im Jahre 1874 mit dem Bau eines Tunnels begonnen, auf den man 30 Jahre zuvor aus Kostengründen verzichtet hatte. Am 18. Januar 1876 wurde der Tunnel in Betrieb genommen. Im Altonaer Hafen be- und entladene Schiffe konnten nun direkt in das Eisenbahnnetz übergeben werden. 1879 wurde die "Geneigte Ebene" demontiert und mit Spenden der Kasse des Altonaer Unterstützungs-Instituts in eine Grünanlage umgewandelt. Altona wurde zu einem der wichtigsten strategischen Punkte des Eisenbahnsystems.

So geriet der Bahnhof an das Ende seiner Kapazität. Auch hatte sich die trennende Wirkung der Gleisanlagen zwischen Altona und Ottensen immer schon negativ ausgewirkt. Am 18.10.1893 begann man mit dem Bau eines neuen - 600 m nördlich des alten gelegenen - Bahnhofes, im "frei interpretierten neugotischem Stil". Sein Westteil wurde am 16.11.1895, der Ostteil am 30.11.1898 in Betrieb genommen. Auch die Hafenbahntunnelstrecke wurde nach Norden auf nunmehr 961 m verlängert und ebenfalls am 16.11.1895 eröffnet. Der alte Bahnhof wurde - unter Erhalt der Südfassade - zum neuen Rathaus der Stadt Altona im Stil der Neo-Renaissance umgebaut, das am 12.05.1898 eröffnet wurde. Im Tunnel stieg die Zugfrequenz erheblich an, denn Altona entwickelte sich zu einem der bedeutendsten Fischhandelsplätze Deutschlands. Aus dieser Zeit hat der Tunnel wohl seinen Namen: Schellfischtunnel. Als weitere Güter wurden Kohle, Getreide und diverses Stückgut transportiert. 1909 - 1911 wurde die Altonaer Hafenbahn - und mit ihr die Tunnelstrecke elektrifiziert. Gleichzeitig etablierte sich die "Gleislose Schleppbahn" im Hafen, Pferdefuhrwerke, die als Unterstützung oberleitungsgespeiste Zugmaschinen hatten. Bis zu drei Fuhrwerke konnten so auf einmal den steilen Hang heraufgeschleppt werden. Indessen waren die Hafenanlagen immer weiter aus-gebaut und mit neuen Bahnanschlüssen ausgestattet worden. Unterhalb des Elbbergs entstand 1922 ein Eilgüterbahnhof, genau dort, wo 1844 die ersten Eisenbahnwagen auf die Rollwagen gesetzt worden waren.1924 betrug das Fischumschlagsvolumen im Altonaer Hafen 49,4 Mio Pfund im Jahr, 75 - 80 % des deutschen Heringsfangs gingen zu der Zeit über Altona. 1933 - 1936 wurden dringend notwendig gewordene Sanierungsmaßnahmen am südlichen Tunnelteil durchgeführt. (160 m) auch das Tunnelportal wurde erneuert. Aus dieser Zeit stammt auch das Ziegelrelief, ein geflügeltes Eisenbahnrad, darunter in schmiedeeiserne Buchstaben: "Tunnellänge 920,2 Erbau 1874 - Erneuert 1933-36". Auch die Verblendung der Elbbergbrücke wurde wahrscheinlich zu

dieser Zeit erneuert. Die durch die dreijährige Tunnelsanierung eisenbahnlose Zeit hatten ein neues Verkehrs-mittel im Hafen etabliert, den LKW. So stellte auch die Hafenschleppbahn ihren Betrieb ein. Im zweiten Weltkrieg wurden viele Hafeneinrichtungen zerstört. Der Tunnel diente inoffiziell als Luftschutzbunker. Zwar wurde nach dem Krieg der Hafenbahnbetrieb wieder aufgenommen, aber immer mehr Warenverkehr verlagerte sich auf den LKW. Als 1954 die S-Bahn von Wechsel - auf Gleichstrom umgestellt wurde, endete der elektrische Betrieb im Tunnel und im Hafen. Für kurze Zeit kamen Dampflokomotiven zum Einsatz, ab 1956 Dieselloks. Stetig verminderte sich die Frachtmenge. 1976 kündigte die Bundesbahn den bestehenden Vertrag mit der Hansestadt Hamburg, da es nur noch ein Frachtaufkommen von 40.000 Tonnen im Jahr gab. Wegen zahlreicher Proteste der am Elbufer ansässigen Gewerbebetriebe übernahm die FHH die Strecke. Es wurde ein Hafenbahnbetriebsvertrag abgeschlossen: "Hamburg plant, baut und unterhält alle Hafenbahnbetriebsanlagen, die Bahn fährt darauf mit ihren Fahrzeugen und Personalen auf Rechnung und Gefahr der Freien und Hansestadt Hamburg." Zehn Jahre später hatte sich das jährliche Frachtaufkommen auf 6.000 Tonnen reduziert, 1989 zum 800. Hafengeburtstag betrug es nur noch 2.600 Tonnen. Nachdem 1993 der letzte Tunnelnutzer, die Firma Pro-Tank ihren Standort am Altonaer Elbufer verließ, wurde der Tunnel mit zwei Toren verschlossen.

1844

Carl Hagenbeck verkörpert ein Stück Hamburg. Schon der Vater besaß eine Tierhandlung. Sohn Carl stellt exotische Tiere auf dem Spielbudenplatz aus und gründete 1907 den Tierpark in Stellingen, der zum Vorbild für viele andere wurde. In ihm war man bemüht, die Tiere nicht nur hinter Gittern, sondern in Freigehegen zu zeigen. Hagenbeck ließ Tierfangexpeditionen, insbesondere nach Afrika, durchführen und verbindet mit dem Zoo völkerkundliche Schaustellungen am heutigen Spielbudenplatz. Auch ein Zirkus trug seinen Namen

1845

Gründung der Johannisloge „Zur Bruderkette an der Alster“, Meister vom Stuhl ist Dr.Alexander Detmar

1847

Gründung der Johannisloge "Zur Bruderkette", erst "Bruderliebe an der Elbe" (Eklek. Bund) Meister vom Stuhl ist J.M.Buthmann

Auf dem Schaarmarkt und anderen Plätzen finden bis zum 16. Juni Proteste gegen Wucherpreise für Lebensmittel statt, die als "Kartoffelkrieg" bezeichnet wurden. Maurice und Baison übernehmen die Direktion des Stadttheaters.

1849

Gründung der Andreasloge "Concordia" in Altona. Adolph Callisen ist erster Andreasmeister

1857

Der gebürtige Hamburger Heinrich Rudolf Hertz hat an den Universitäten von Karlsruhe und Bonn als Professor für Physik gewirkt. Dabei bestätigte er Maxwells Lichttheorie und trägt durch die Entdeckung der elektromagnetischen Wellen (seither Messeinheit .Hertz', abgekürzt ,Hz') wesentlich zur Entwicklung des Funkwesens bei. Darüber hinaus hat Hertz weitere bedeutende Entdeckungen gemacht. Hamburgs Fernsehturm der "Tele Michel" trägt seinen Namen.

Einweihung des Paulinen-Stiftes als Waisenhaus für jüdische Mädchen.

1858

Gründung der Andreasloge "Ernst August zum goldenen Anker". Stuhlmeister ist Gustav Korlan

1862

Sicher gehört Otto Ernst (eigentlich O. E. Schmidt) nicht zu den "großen" Dichtern Hamburgs, aber der Hamburger Dramatiker, Erzähler, Lyriker und Essayist hat im ersten Viertel des 20. Jhs mit seinen Schilderungen aus der Welt des kleinen Bürgertums ein großes Publikum gehabt. Sein 1901 aufgeführtes Drama ,,Flachsmann als Erzieher" wird viel gespielt. Ein Bestseller vor dem Ersten Weltkrieg ist sein Buch "Appelschnut", dem er 1923 die "Heidede" folgen läßt. Aber auch sein autobiographischer Roman "Asmus Sempers Jugendland" gehört in die Literatur der wilhelminischen Zeit.

1863

Gründung des Allgemeinen Deutschen Arbeitervereins durch Ferdinand Lassalle

1864

Deutsch-Dänischer Krieg: Dänemark tritt Schleswig, Holstein (damit auch Altona) und Lauenburg an Preußen und Österreich ab.

Eröffnung des Circus Renz an der Reeperbahn und des Theaters in der Centralhalle (bis 1890) dort war schon von 1841-64 der Circus Gymnasticus.

1865

Eisenbahn von Hamburg nach Lübeck

1866

Deutscher Krieg: Auflösung des Deutschen Bundes; Preußen annektiert fast alle gegnerischen Staaten nördlich der Mainlinie.

Erste Pferdestraßenbahn in Hamburg.

1867

Bildung des Norddeutschen Bundes.

Zusammenführung der Eisenbahn von Hamburg nach Altona. Die Pferdebahn nach Barmbek eröffnet. Gründung des Clubs Thespiskarren (Verein für Bühnenkunst, seit 1921 Volksbühnenkunst Hamburg e. V. als Dachverband der Hamburger Amateurtheatervereine.

Am Nobistor werden preußische Grenzpfähle aufgestellt. Die Eisenbahn von Altona nach Blankenese wird dem Verkehr übergeben.

1869

Einführung der Gewerbefreiheit: Der Betrieb eines Gewerbes ist von nun an jedem soliden und liquiden Unternehmer erlaubt. Damit fällt das Privileg von Stadt- und Thalia Theater als alleinige Konzessionsinhaber für Theater innerhalb des Wallrings (Millerntor - Dammtor - Steintor). Die Stadt muss auf die Festlegung der Eintrittspreise und den Einzug der Konzessionsabgabe verzichten. Eröffnung der Hamburger Kunsthalle, die mit Hilfe von Mäzenen errichtet wurde.

In Rom wird auf dem "Ersten Vatikanischen Konzil" die Unfehlbarkeit des Papstes verkündet.

1870

Einführung der allgemeinen Schulpflicht in Hamburg

1872

Gründung des Deutschen Kaiserreichs nach dem Deutsch-Französischen Krieg.

Gründung der Genossenschaft deutscher Bühnenangehöriger Eröffnung des Wilhelm-Theaters an der Reeperbahn (in Betrieb bis1887)

1873

Bildung einer neuen Aktiengesellschaft der führenden Familien der Stadt zum Ankauf des Hamburger Stadttheaters. Versprechen der AG, nach Auszahlung aller Aktien mittels der Überschüsse das Haus der Stadt zu schenken, ermöglicht erstmals staatliche Subventionierung eines Hamburger Theaters. Hamburg übernimmt die Gas/Wasserkosten (ca. 50.000 RM) und leistet einen jährlichen Zuschuss (12.500 RM) für die Pensionskasse des Stadttheaters.

1876

Ein Großbrand vernichtet das Theater in der Centralhalle, das im folgenden Jahr wieder aufgebaut wird.

Gründung der Johannisloge „Globus“, Meister vom Stuhl ist Robert Böhm

1877

Eröffnung des Museums für Kunst und Gewerbe, die Leitung übernimmt Justus Brinckmann.

Fritz Höger, Erbauer des Chilehauses und des Sprinkenhofes, komm als Sohn eines Landzimmermeisters aus Steinburg (Holstein) über die Zimmermannslehre nach Hamburg. Er wird mit der Erstellung der großartigen Front des Chilehauses, zum Klassiker der neuzeitlichen Hamburger Architektur. Zugleich gelingt es ihm, vorübergehend die norddeutsche Backsteinarchitektur zu erneuern. Der ab 1905 als selbständiger Architekt in Hamburg tätige Höger baute kraftvoll gegliederte Kontorhäuser, bei denen farbige Ziegel und schlichte Ornamente den Stil bestimmen.

Neuer Friedhof in Ohlsdorf feierlich eröffnet. Auf dem größten Parkfriedhof Europas ruhen viele prominente Persönlichkeiten.

Eröffnung des Kunst- und Gewerbemuseums am Steintorplatz.

Baubeginn für das Fuhlsbütteler Gefängnis.

1878

Stadttheaterdirektor Bernhard Pollini erhält acht Jahre lang eine Subvention von 30.000 RM für sein Theaterunternehmen.

Neue Badeanstalt auf der Veddel eröffnet.

1880

Gorch Fock heißt eigentlich Johann Kinau, aber unter seinem Künstlernamen ist er an der Waterkant zum Begriff geworden. Der auf Finkenwerder geborene Schriftsteller, im Zivilberuf Buchhalter bei der Hamburg-Amerika-Linie, findet ein zu seinem Werk passendes Ende:

bei der Seeschlacht auf dem Kreuzer "Wiesbaden". Der humorvolle und geistreiche Autor von Erzählungen aus der Welt der Seefahrt. teilweise auch im Hamburger Platt, hat 1913 mit dem Werk "Seefahrt  ist not" einen besonderen Erfolg gehabt. Auch sein ein Jahr zuvor erschienenes Buch "Hein Godenwind" hält sein Andenken lebendig.

1881

Das Lessingdenkmal wird auf dem Gänsemarkt aufgestellt

1885

Gründung der Johannisloge "Zur Brudertreue an der Elbe".

Das neue Freimaurerkrankenhaus (60 Betten) eröffnet am Kleinen Schäferkamp (heute Elisabethkrankenhaus)

1886

Alfred Lichtwark wird Leiter der Kunsthalle. Der 1886 bis 1914 die Hamburger Kunsthalle als Direktor leitende Lichtwark entstammt einer Vierländer Müllerfamilie. Über die Volksschule kam der von seinem Lehrer geförderte Lichtwark zum Lehrerberuf und danach zum kunsthistorischen Studium. Es gelingt Lichtwark, der Kunsthalle trotz bescheidener Mittel die Altarbilder der Hamburger Meister Bertram und Francke sowie das Werk des Romantikers Philipp Otto Runge zu gewinnen und später auch bedeutende Werke von Caspar David Friedrich und Max Liebermann zu erwerben. Für Hamburg wirde er zum Mahner für Kunst und Kultur, von dem man sagte, er predige nicht Kultur, sondern habe sie. Lichtwark ist Führer einer Kunsterziehungsbewegung, die ihren Ausdruck schon 1886 mit der Gründung der Gesellschaft der Hamburger Kunstfreunde findet.

Carl Benz erhält das erste Patent für ein benzinangetriebenes Automobil.

Der in Hamburg geborene Transport- und Hafenarbeiter Ernst Thälmann tritt 1903 der SPD bei und wechselt 1917 in die USPD über. Von 1919 bis 1933 ist er Abgeordneter der Hamburger Bürgerschaft, seit 1924 auch Mitglied des Reichstages. Er tritt 1920 mit dem linken Flügel der USPD in die KPD ein, übernimmt 1924 die Leitung des Roten Frontkämpferbundes und avancierte 1925 als Vertrauensmann Stalins zum Vorsitzenden der KPD. In den Jahren 1925 und 1932 kandidiert Thälmann vergeblich für das Amt des Reichspräsidenten. Mit seinem kommunistischen Politikverständnis stalinistischer Prägung, das er in volkstümlichen Reden propagiert, steht er im Gegensatz zu den Vorstellungen der deutschen Sozialdemokratie in der Weimarer Republik. Am 3. März 1933 wird Thälmann von den nationalsozialistischen Machthabern verhaftet, in verschiedenen Zuchthäusern gefangengehalten und findet schließlich im KZ Buchenwald bei Weimar den gewaltsamen Tod.

1879

Die Holsten Brauerei Actiengesellschaft wird gegründet. Der Hamburger Kaufmann Julius Richter ist Gründungsmitglied und bis 1903 Direktor. Im Mai 1880 wird das erste Holsten Bier ausgeliefert und schon nach einem Jahr werden 30.000 Hektoliter gebraut. 1999 beträgt der Bierausstoß 12 Mio Hektoliter! 2003 ist die Holsten Brauerei Hamburgs einzige Brauerei... Heute gehört die Holsten Brauerei dem Carlsberg Konzern...

1887

Die neue Brücke über die Norderelbe wird dem Verkehr übergeben.

Erster Versuch, zwischen Hamburg und Berlin eine Fernsprechverbindung herzustellen.

Sozialistengesetze: Verbot der Partei und ihrer Presse bis 1890;

Verhaftung und Ausweisung von Sozialdemokraten.

Am 11.Mai 1897 wird die Bavaria-Brauerei gegründet.

1888

Zollanschluss Hamburgs - Bau der neuen Speicherstadt (größter Lagerhauskomplex der Welt) vom Land und vom Wasser aus zu beschicken.

1889

Eröffnung des Circus Busch (später Schillertheater) am Neuen Pferdemarkt (1800 Plätze).

Der in Kiel geborene Dichter Detlev von Liliencron nimmt als Offizier an den Feldzügen von 1866 und 1870/71 teil, geht nach Amerika und lebt nach seiner Rückkehr erst als Landvogt auf Pellworm, dann als Kirchspielvogt in Kellinghusen, ab 1889 in Altona und ab 1901 in Alt Rahlstedt, wo er auch begraben ist. Erst durch ein ihm von Kaiser Wilhelm II. zum 60. Geburtstag ausgesetztes Jahresgehalt kann Liliencron, der zeitweise auch als Klavierlehrer tätig ist der finanziellen Not entgehen. Ein Bericht von ihm aus dieser Zeit enthält den Satz: "Mach und tu was Du willst. Stiehlst Du einen Regenschirm, kriegst Du eine Zuchthausstrafe von fünf Jahren. Stiehlst Du eine Million, und man vergöttert Dich." Liliencron zählt zu den bedeutendsten Lyrikern des Impressionismus. Sein "Poggfred", ein Versepos, entsteht im Hause Nr. 5 an Altonas Palmaille.

Der gebürtige Hamburger (1889) Carl von Ossietzky ist ein überzeugter Pazifist und arbeitet ab 1919 für die Deutsche Friedensgesellschaft. Nach journalistischer Tätigkeit für die "Berliner Volks-Zeitung" (1920-1922) und die Zeitschrift "Das Tagebuch" (1924-1926) leitet er von 1927 bis 1933 die kulturpolitische Wochenschrift "Die Weltbühne". Wegen angeblichen Landes- und Geheimnisverrates wird er 1931 im sogenannten Weltbühnen-Prozeß zu einer achtzehnmonatigen Gefängnisstrafe verurteilt, Ende 1932 jedoch amnestiert. Nach dem Reichstagsbrand des Jahres 1933 verhaften ihn die nationalsozialistischen Machthaber und verbringen ihn 1934 in das emsländische Konzentrationslager Esterwegen. Carl von Ossietzky wird 1935 der Friedensnobelpreis verliehen, dessen Entgegennahme die Nationalsozialisten zu verhindern trachten. Nach Verlegung in ein Berliner Krankenhaus (1936) stirbt von Ossietzky Anfang Mai 1938 an den Folgen seiner Lagerhaft.

1890

SPD stellt als Ergebnis der Reichstagswahlen alle drei Reichstagsabgeordneten Hamburgs, aber auf Grund des Hamburger Wahlrechts keinen einzigen Bürgerschaftsabgeordneten.

1891

Hamburg leistet einen Baukostenzuschuss in Höhe von 3.000.000 RM zur Elektrifizierung des Stadttheaters.

1891

Gründung der Johannisloge "Roland" deren 1. Meister vom Stuhl Gustav Sonderhoff ist

1892

Choleraepidemie in Hamburg

Gründung des ersten reichsweiten Dachverbands der Amateurtheater (Verband der Privat-Theatervereine Deutschland, heute Bund deutscher Amateurtheater)

Gründung der Johannisloge "Matthias Claudius" deren Logenmeister Gustav Johler ist

1893

Gründung der Freien Volksbühne Hamburg-Altona

Aufführung von Hauptmanns "Die Weber"

1892

Einführung der Feuerbestattung in Hamburg

1893

Als Sohn eines Hafenarbeiters und Seemanns kommt Hans Leip in Hamburg zur Welt, wurde zunächst Lehrer und arbeitete dann als Journalist und Graphiker. Im Ersten Weltkrieg erleidet er eine schwere Verwundung. Das weite Spektrum seiner schriftstellerischen Arbeit umfasst Erzählungen, Romane, Gedichte, geistliche Spiele, Theaterstücke, Hör-und Fernsehspiele, Filmdrehbücher sowie Erinnerungsbücher und Autobiographisches. Als Graphiker ist Leip zeitweilig Mitarbeiter der satirischen Zeitschrift "Simplicissimus"; etliche seiner Dichtungen hat er selbst illustriert. Leip bevorzugt Themen über das Meer, die Seefahrt und den Hafen sowie über das Leben der Küstenbewohner und der Seeleute. Als Autor wird Hans Leip durch sein von Thomas Mann preisgekröntes Buch "Godekes Knecht" (1925) bekannt, das vom Leben der Seeräuber um Klaus Störtebeker berichtet. Weitere Hauptwerke sind der heitere Roman "Jan Himp und die kleine Brise" (1933) und die mittelalterliche Geschlechterchronik "Das Muschelhorn" (1940). Außer Romanen und Erzählungen verfasst Leip eine Vielzahl von Gedichten, deren Spannweite von derb humorigem über Sentimentales bis zu höchst anspruchsvoller Kunstlyrik reicht. Sein bekanntestes Gedicht jedoch ist "Lili Marleen", das er bereits 1915 als Soldat schreibt. In der Vertonung von Norbert Schulze und gesungen von Lale Andersen werden Leips Verse zu dem wohl berühmtesten Soldatenlied auf beiden Seiten der Kriegsfronten, nachdem es ab August 1941 der Soldatensender im besetzten Belgrad ausstrahlte.

1894

Eröffnung des Varietes Hansa Theater am Steindamm in St. Georg (vormals "Hansa Säle" 1878).

Elektrische Straßenbahn in Hamburg

1894

Der in Stellingen (heute ein Stadtteil von Hamburg) geborene Schriftsteller und Orgelbauer Hans Henny Jahnn entstammt einer Hamburger Schiff- und Instrumentenbauerfamilie. 1915-1918 lebt er als überzeugter Pazifist im Exil in Norwegen, 1919 gelingt ihm nach seiner Rückkehr der künstlerische Durchbruch mit dem Drama "Pastor Ephraim Magnus". Gleichzeitig ist Jahnn führender Vertreter der Orgelbewegung, einer nach dem Ersten Weltkrieg von der Schweiz auf

Deutschland übergreifenden Reformbewegung, welche die Orgelbaukunst nach Vorbildern aus der Zeit vor 1750 erneuern will; insgesamt hat Jahnn mehr als 100 Orgeln gebaut. Im Jahre 1920 stiftet Jahnn aus Protest gegen Zivilisation und Konvention die Glaubensgemeinschaft "Ugrino".  Jahnn ist in Ottensen (Altona) begraben.

1895

Erste Großprojektion lebender Bilder, in Heckels Concert-Saal in den Großen Bleichen

1896

Hafenarbeiterstreik

1897

Fertigstellung des heutigen Rathauses.

Nach 18jährigem Betrieb fährt der letzte Dampfwagen auf der Strecke nach Wandsbek.

1898   

beginnen Konzerte für die Hamburger Volksbühne im Hamburger Konzerthaus

1899

Die Patriotische Gesellschaft eröffnet die erste öffentliche Bücherhalle in den Kohlhöfen. Sie wird 1998 aus "Spargründen" geschlossen.

1899

Der Reeder Albert Ballin ist ab 1899 Generaldirektor der HAPAG und gehört zu den Vertrauten von Kaiser Wilhelm II. Allerdings erkennt Ballin zeitig die Gefahr der Flottenpolitik von Admiral Tirpitz und bemühte sich um eine gleichrangige Stellung der deutschen Flotte gegenüber Großbritannien. Während des Ersten Weltkriegs setzt sich Ballin vergeblich für einen Verständigungsfrieden ein. Vermutlich war die Enttäuschung über sein Scheitern die Ursache für seinen Freitod, obwohl es über sein Ende nach einer erregenden Besprechung mit den Hamburger Reedern am Revolutionstag auch andere Versionen gibt. Zu Ehren des aus kleinsten Verhältnissen gekommenen dreizehnten Kindes eines Auswandereragenten trägt seit 1947 der frühere Alsterdamm den Namen Ballindamm.

1900

Eröffnung des Deutschen Schauspielhauses an der Kirchenallee

Hamburg hat 750 000 Einwohner, und die Bevölkerung wächst bis 1914 weiter auf eine Million.

Knopf's Lichtspiele beginnen mit der täglichen Vorführung lebender Bilder

Die  Ordensmeister der der Großlogen sind in dieser Zeit:

GLLdFv Deutschland: Se. Königliche Hoheit Prinz Friedrich Leopold von Preussen - GLLv

Schweden und Norwegen: Se. Königliche Hoheit von Schweden und Norwegen Oscar II - GLLv

Dänemark: Se. Königliche Hoheit Kronprinz Frederic von Dänemark.

1902

Gründung des Vereins Niederdeutsche Bühne (heute Ohnsorg Theater)

1904

Das Neue Operettentheater eröffnet im bisherigen Theater der Centralhalle (1910 Operettenhaus,

I935 Edentheater, 1939 Theater an der Reeperbahn, 1945 zerstört, heute steht an gleicher Stelle das Operettenhaus).

1905

Das Schillertheater (die spätere Schilleroper) eröffnet im Gebäude des Circus Busch am Neuen Pferdemarkt.

1906

Wahlrechtsänderung durch Senat und Bürgerschaft (Zweiklassenwahlrecht zu ungunsten der SPD). Einweihung des neuen Hauptbahnhofs an der Kirchenallee.

Gründung der Johannisloge "Phönix zur Wahrheit". 1. Logenmeister ist Franz Held

"Die Lustige Witwe" wird im Schillertheater aufgeführt.

1907

Gründung der Johannisloge Eintracht an der Elbe" in Blankenese. Heinrich Frido Möller ist 1. Lognmeister

Fertigstellung der vom Reeder Carl Heinrich Laeisz gestifteten Musikhalle.

Die Stadt Hamburg beginnt die Subventionierung der Volksvorstellungen der Patriotischen Gesellschaft, um minderbemittelte Kreise in den Genuss von Meisterwerken der dramatischen Kunst zu bringen.

Carl Hagenbeck gründet seinen Tierpark in Stellingen.

Planung eines neuen Logenhauses an der Moorweide

1909

Gründung der Johannisloge "Zur Hanseatentreue". Logenmeister ist J.Th.E.Schacht

Gründung der Johannisloge "Armin zur Treue und Einigkeit". Meister vom Stuhl ist Heinrich Tartsch

Einweihung des Logenhauses an der Moorweidenstraße. Die Eröffnungsrede hielt Clemens Schultz, Pastor auf St.Pauli

Der aus Bremen gebürtige Fritz Schumacher hat mit bedeutenden Bauten das Hamburger Stadtbild geprägt. Er war von 1899 bis 1908 Professor an der Technischen Hoch schule in Dresden und wurde 1909 zum Hamburger Baudirektor berufen. Allerdings erfüllte sich Schumachers Hoffnung, nach den Kriegszerstörungen Hamburg ein neues Gesicht geben zu können, nicht. Sein Traum war die "Stadt im dessen erster Teil 1914 fertiggestellt war. 1923 vollendete Gartenbaudirektor Linne den zweiten Teil. Die grüne der Großstadt bleibt allerdings Schumachers Hamburger Vermächtnis.

1910

Umbau des 1887 entstandenen Konzerthauses Hamburg, Reeperbahn 98, zum Deutschen Operettentheater (ab 1914 Neue Oper,  ab1917 Volksoper)

1911

Eröffnung des ersten Elbtunnels, der nach 3jähriger Bauzeit die Stadtteile St.Pauli und Steinwerder miteinander verbindet.

Gründung der Johannisloge „Konrad Ekhof“, Meister vom Stuhl istLudwig Alexander

1912

Der Neubau des Thalia Theaters eröffnet gegenüber dem alten Standort am Pferdemarkt (heute Gerhart-Hauptmann-Platz). Umwandlung der seit I798 bestehenden Vergnügungsabgabe in eine allgemeine zehnprozentige Lustbarkeitssteuer, die nun auch wieder den Kulturtheatern abverlangt wird.

Fertigstellung des ersten U-Bahn-Rings.

1913

Gründung der Johannisloge "Zum Gral" deren erster Logenmeister der St. Paulianer Pastor, Clemens Schulz, ist.

Gorch Fock veröffentlicht seinen großen Roman "Seefahrt ist Not"

1914

Beginn des Ersten Weltkriegs, der 1918, nach der deutschen Kapitulation und der Novemberrevolution mit der Abdankung des Kaisers und der Ausrufung der Republik endet.

Gründung der Johannisloge "Zur Erkenntnis". Meister vom ist Stuhl Hermann Müller

Erbau des Museums für Hamburgische Geschichte ( bis 1923).

1918

Erich Ziegel eröffnet die Hamburger Kammerspiele am Besenbinderhof.

1919

Einführung des allgemeinen, gleichen Wahlrechts für Männer und Frauen. Die SPD erreicht die absolute Mehrheit in der Weimarer Nationalversammlung und in der Hamburger Bürgerschaft. Die Nationalversammlung verabschiedet die Verfassung der Weimarer Republik. Politische Unruhen (Hamburger Sülze-Skandal). Reichswehr unter General Paul von Lettow-Vorbeck rückt in Hamburg ein und reorganisiert Polizei und paramilitärische Sicherheitskräfte.

Einführung der obligatorischen vierklassigen Grundschule und der Berufschulpflicht in Hamburg.

Verbesserungen des Zugangs zu höherer Bildung. Gründung der Hamburger Universität.Gründung der Besucherorganisation Hamburger Volksbühne

Die Genossenschaft deutscher Bühnenangehöriger setzt den Normalvertrag Solo für künstlerisches Personal durch, der Regelungen über Arbeits- und Ruhezeiten, Urlaub, Krankmeldung und Kündigungsfristen enthält.

Max Brauer wird 1919 Bürgermeister und 1924 Oberbürgermeister von Altona. Nach seiner Absetzung durch die Nationalsozialisten 1933 und einem abenteuerlichen Exilantenleben, das ihn über die Schweiz nach China und in die USA führt, kehrt er 1946 nach Deutschland zurück, schließt sich der Sozialdemokratischen Partei (SPD) an und ist 1946-1953 sowie 1957-1960 Erster Bürgermeister von Hamburg. Während seiner Amtszeit trägt er wesentlich zum Wiederaufbau der Stadt bei.

Edmund Siemers stiftet die Hamburger Universität

1920

Kapp-Putsch in Berlin

Die Stadt Hamburg kauft die Hälfte der Aktien des Stadttheaters (der heutigen Oper) und subventioniert den von nun an gemischtwirtschaftlichen Betrieb mit jährlich einer halben bis schließlich 1,8 Mio RM. Dafür stellt die Stadt die Hälfte der Aufsichtsratsmitglieder, den Vorsitzenden des Aufsichtsrats und einen Staatskommissar mit Vetorecht.

Gründung der Hamburger Volkshochschule.

Zuerst ist der gebürtige Hamburger Ohnsorg Bibliothekar, dann Schauspieler, aber zum Begriff wird er, als er 1920 aus einer bereits 1902 begründeten Liebhaberbühne die Hamburger Niederdeutsche Bühne Ins Leben ruft. Sie ist zum Vorbild für alle plattdeutschen Laienbühnen geworden. Das Ohnsorg-Theater hat dem Fernsehen seine Berühmtheit über ganz Deutschland zu verdanken, auch wenn die niederdeutschen Volksstücke mit Rücksicht auf die Zuschauer hochdeutsch bearbeitet werden.

1921

März-Aktion der Hamburger KPD: Besetzung der Werften, Aufruf zu Generalstreik und Umsturz. Die Aktion scheitert innerhalb eines Tages.

1922

Rechtsradikaler Terrorismus der Organisation Consul gipfelt in der Ermordung des Reichsaußenministers Walther Rathenau. Französische Besetzung des Ruhrgebiets. Beginn der Hochinflation bis 1924.

Gründung der Schule Hamburger Bewegungschöre Rudolf von Laban.

Gründung der Andreasloge "Corona Vitae". 1.wortführender Meister ist August Böe

1923

Der aus Düsseldorf gebürtige Gustaf Gründgens kommt 1923 an die Hamburger Kammerspiele, wechselt jedoch bereits 1928 nach Berlin, wo er ab 1934 bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges die Generalintendantur des Preußischen Staatstheaters innehatt. Von 1947 bis 1955 war Gründgens Intendant der Städtischen Bühnen Düsseldorf. Dann kehrte er wieder an den Ausgangspunkt seiner Karriere zurück, nach Hamburg, wo er bis 1963 Generalintendant des Deutschen Schauspielhauses war. - Klaus Mann hat in dem Roman "Mephisto" seinem Schwager Gründgens, dessen Glanzrolle der Mephisto in Goethes "Faust" war, ein literarisches Denkmal gesetzt, in dem die Karriere von Höfgen-Gründgens von der Mitte der zwanziger Jahre bis zum Beginn der NS-Zeit nachgezeichnet ist.

Oktoberaufstand der Hamburger KPD (Stürmung von 27 Polizeiwachen) gescheitert

1924

Die Norddeutsche Rundfunk AG (Norag) beginnt ihre Sendungen.

Das Chilehaus von Fritz Höger wird fertiggestellt

Gründung der Johannisloge „Alte Treue“, Dr.Wilhelm Peppler ist erster Meister vom Stuhl

1925

Paul von Hindenburg wird Reichspräsident.

Gründung der Johannisloge "Licht und Wahrheit". Logenmeister ist Harry Puls

1926

Der sicherheitspolizeilich vorgeschriebene Umbau des Stadttheater-Bühnenhauses kostet die Stadt fast sechs Millionen RM.

Gründung der Johannisloge "Zur Deutschen Nordmark". Meister vom Stuhl ist Konrad Junge

1927

Einführung der gesetzlichen Arbeitslosenversicherung. Abriss des Gebäudes der Hamburger Kammerspiele. Die Kammerspiele beziehen das Kleine Lustspielhaus in den Großen Bleichen.

Beginn der Weltwirtschaftskrise. Die Depression zerstört die Stabilität der Demokratie.

Die Arbeitslosigkeit in Hamburg erreicht bis 1933 beinahe 40 Prozent. NSDAP und KPD werden zu Massenbewegungen. Bruch der Großen Koalition aus SPD, Zentrum, BVP, DDP und DVP markiert das Ende der parlamentarischen Republik.

1929

Gründung der Johannisloge "Im Sonnenwinkel". Meister vom Stuhl ist August Huth

1931

Das Carl Schultze-Theater wird zum Kino umgebaut.

1932

NSDAP wird stärkste Partei in der Bürgerschaft. Der Minderheitensenat aus SPD und Staatspartei bleibt bis zum Ende der Weimarer Republik geschäftsführend im Amt und regiert mit Notverordnungen.

Deutschland hat sechs Millionen Arbeitslose.

Erich Ziegel übernimmt die Leitung des Thalia-Theaters. Sein Theater heißt von nun an Kammerspiele im Thalia-Theater.

1933

Beginn der Machtergreifung Adolf Hitlers nach dessen Reichskanzlerschaft.

Die letzte Reichstagswahl bringt der Rechtskoalition fast 52, in Hamburg nur 47 Prozent der Stimmen. Das Ermächtigungsgesetz ermöglicht die Auflösung der Parteien und Parlamente.

Einrichtung von Konzentrationslagern. Der Reichspropagandaminister Joseph Goebbels unterstellt die deutschen Bühnen und ihre Angehörigen der Reichstheaterkammer. Auflösung von Bühnengenossenschaft und Bühnenverein.

Aufbau einer Hamburger Verwaltung für Kulturangelegenheiten. Verstaatlichung von Stadttheater (ab 1934 Hamburgische Staatsoper) und Deutschem Schauspielhaus (ab 1933 Staatliches Schauspielhaus). Bis 1935 Entlassung der jüdischen Mitarbeiter an den Staatstheatern. Zwangsgründung des Jüdischen Kulturbundes. Auflösung des Dachverbandes der Volksbühnenkunst und Gründung des Rings der Volksspielbühnen Groß-Hamburg e. V. Der Staatskommissar und aus Theaterleidenschaft faktisch als Verwaltungsdirektor am Stadttheater fungierende jüdische Staatsrat Leo Lippmann, der sich seit 1920 unermüdlich für die Subventionen und die sie motivierenden sozialen Verbesserungen am Opernbetrieb eingesetzt hatte, wird aus allen seinen Ämtern entlassen. Bedroht von der Deportation, begehen Lippmann und seine Frau 1943 Selbstmord.

1934

Lola Rogge übernimmt die Hamburger Bewegungschöre Rudolf von Laban, die mit ihrer Altonaer Labanschule fusionieren.

1935

Reichstheaterfestwoche in Hamburg

Alle Freimaurerlogen werden aufgelöst

1936

Verbot der "subjektiven" Kritik durch das Reichspropagandaministerium: Nur noch "objektive", Kunstbetrachtung ist erlaubt. Die Niederdeutsche Bühne (Ohnsorg Theater) bezieht das Haus in den Großen Bleichen.

1937

Groß-Hamburg-Gesetz: Bisher preußische Gebiete, wie Altona, Harburg-Wilhelmsburg oder Wandsbek, werden mit Hamburg vereinigt. Die Zahl der Einwohner steigt um 40 Prozent auf 1,7 Millionen. Verstaatlichung des Thalia Theaters. Die Stadttheater von Altona und Harburg werden hamburgisch; damit unterhält Hamburg sieben Jahre lang fünf staatliche Bühnen.

1938

"Reichskristallnacht". Beginn der Judendeportationen. Juden werden vom Besuch öffentlicher Kunst- und Unterhaltungsveranstaltungen ausgeschlossen. Jüdischen Künstlern wird die Aufführung von Werken der deutschen Nationaldichtung verboten.

1939

Der deutsche Angriff auf Polen entfesselt den Zweiten Weltkrieg.

1940

Gründung der Hamburger Theatersammlung durch Paul Theodor Hoffmann. Wolfgang Borchert, Autor von "Draußen vor der Tür", als Sohn eines Eppendorfer Volksschullehrers geboren, wird nach der Buchhandelslehre Schauspieler. Als er als Neun zehnjähriger in Lüneburg im ersten Engagement ist, wird er eingezogen. In Russland wird er wegen angeblicher Selbstverstümmelung vor das Kriegsgericht gestellt und freigesprochen. Gelbsucht und Fleckfieber ruinieren die Gesundheit des wegen antinazistischer Äußerungen vom Kriegsgericht Verurteilten. 1947 schrieb Borchert in einer Woche das Drama "Draußen vor der Tür". Am 21. November 1947-einen Tag nach dem Tod Borcherts in einem Baseler Spital - erfolgt in Ida Ehres Kammerspielen die Uraufführung dieses Theaterstücks. Verbot der zwangsgegründeten jüdischen Kulturbünde, die als Vorzeige-, Sammel- und Überwachungsorganisation ausgedient haben. Das Haus des Hamburger jüdischen Kulturbundes in der Hartungstraße, das auf Geheiß der Gestapo vom Bauverein der Anthroposophischen Gesellschaft gekauft und zum Theater ausgebaut worden war, wird geschlossen.

1943

Ankauf durch die Hansestadt Hamburg und Wiedereröffnung als Thalia-Kammerspiele.

"Operation Gomorrha": Britische und amerikanische Bomberwellen entfachen orkanartige Feuerstürme in Hamburg. In einer Woche hat Hamburg ca. 35000 Tote und 100000 Verletzte zu beklagen. 3.000.000 Wohnungen werden vernichtet.

1944

Im Zuge der totalen Kriegsführung ordnet Joseph Goebbels zum 1. September die Schließung aller Theater an.

1945

Deutsche Kapitulation. Das Potsdamer Abkommen teilt Deutschland in vier Besatzungszonen.

Das zerstörte Hamburg hat nur noch eine Million Einwohner

Britische Militärregierung (British Theatre and Music Section) in Hamburg. Neugründung der Hamburger Kammerspiele im Gebäude des ehemaligen Jüdischen Kulturbunds (mit Logensaal) in der Hartungstraße durch Ida Ehre.

Trotz der mangelnden Kaufkraft der Reichsmark und einem zwischenzeitlichen Zuzug von Berliner Schauspielern entstehen oder wiedereröffnen fast 20 Theater in Hamburg. Zerstört sind die Gebäude der Staatsoper, des Thalia Theaters, des Altonaer und des Harburger Stadttheaters. Ausweichspielstätten werden eingerichtet. Das Personal des Schauspielhauses und des Altonaer Stadttheaters werden vereinigt. Neugründung der Volksbühnenkunst Hamburg e. V

Hamburg hat wieder 1,5 Mio Einwohner, darunter rund ein Fünftel Flüchtlinge, vor allem aus Ostpreußen, Schlesien. 200 000 Menschen leben in Notunterkünften, Bunkern, Lagern, Baracken und Nissenhütten.

1946

Max Brauer wird Erster Bürgermeister.

1947

Der neue Zonenbeirat hält seine erste Sitzung in Hamburg ab. Die Militärregierung legt eine Verordnung über eine Bodenreform in der britischen Zone zur Begutachtung vor. Jeglicher Boden, der 150 ha oder einen Einheitswert von 200 000 RM überschreitet, soll enteignet und die Eigentümer entschädigt werden. Die CDU stimmte der Vorlage zu, während SPD und KPD die Vorlage als völlig unzureichend ablehnten.

Im "Waterloo-Theater" in der Dammtorstraße 14 wird der Film "In jenen Tagen" uraufgeführt. Der Streifen erzählt die Geschichten eines Autos und der Menschen, die Krieg und Verfolgung erleben. Die Aufnahmen beginnen am 31. August 1946 und enden am 19. April 1947. Regie führt Helmut Käutner, der zusammen mit Ernst Schnabel das Drehbuch verfasst. Die erste Filmproduktion in der britischen Zone entsteht nur in Außenaufnahmen unter schwierigsten Bedingungen.

Im Curio-Haus beginnt der Prozess gegen 18 SS-Führer und Gestapo-Beamte, die 1944 an der Erschießung von 50 britischen Fliegeroffizieren beteiligt waren. 14 Angeklagte werden zum Tode verurteilt, vier kamen mit Haftstrafen davon.

Hamburg ist zum Notstandsgebiet erklärt worden, trotzdem bessert sich die Lebensmittelversorgung kaum. Die Bevölkerung erhält täglich nur 1100 Kalorien. Die Bürgerschaft debattierte über die Ausbildung von Lehrern für Volks- und Berufsschulen. Wegen des Lehrermangels wurde beschlossen, möglichst rasch 550 neue Lehrkräfte auszubilden.

13. Juli 1947: Im Endspiel um die Zonenmeisterschaft holte sich der HSV durch ein 1:0 über Borussia Dortmund im Düsseldorfer Rheinstadion den Titel.

An der Universität studieren 4.582 Studenten, von ihnen sind 1.153 Frauen. von 2.800 Zulassungsanträgen für das Wintersemester 1947/48 können wegen Raum- und Personalmangel lediglich 400 berücksichtigt werden. Eine Reihenuntersuchung ergibt, dass 96,5 Prozent der Studentinnen und Studenten Symptome von Unterernährung aufweisen.

Die Militärregierung stimmt dem am 19. März von der Bürgerschaft beschlossenen Gesetz über die Verstaatlichung der Hamburger Hochbahn A.G. zu.

Die Auflagenhöhe der in der britischen Zone erscheinenden Zeitungen wird den Ergebnissen der Landtagswahlen vom 20. April d. J. angepasst. In Hamburg druckte die Zeitung der SPD, das "Hamburger Echo" 230.000 Exemplare, die "Hamburger Allgemeine Zeitung" der CDU 138.000 Exemplare, die der FDP nahestehende "Hamburger Freie Presse" 95.000 Exemplare und die "Hamburger Volkszeitung" der KPD 42.000. Keine der von den Besatzungsmächten lizensierten Blätter hat überlebt. Sie wurden im Laufe der Jahre aus wirtschaftlichen Gründen eingestellt. Die "Hamburger Volkszeitung" wird wegen ihrer scharfen Kritik von den Besatzungsmächten immer wieder tageweise verboten. 

Die Adenauer-Regierung beantragte vor dem Bundesverfassungsgericht das Verbot der KPD wegen Verfassungswidrigkeit. Nach längerem

Verfahren folgte das Gericht diesem Wunsch am 17. August 1957.

Der Hamburger Schriftsteller Ralph Giordano - bis 1957 Mitglied der KPD und Mitarbeiter der "Volkszeitung" - schildert in seinem Buch "Die Partei hat immer recht" das Verbot der KPD-Zeitung in der Hansestadt: "Ich erlebte diesen 17. August 1956 vor den Räumen der HVZ. Der Spruch wurde im Laufe des Vormittags erwartet, und als ich die Redaktion betreten wollte, war sie bereits von Polizei und Kriminalpolizei besetzt worden. Alle Redakteure und Angestellte, die sich beim Eintreffen der Staatsorgane im Hause befunden hatten, wurden noch zum Zwecke der Registrierung zurückgehalten und einzeln entlassen. Ich gesellte mich zu einem Häuflein von Genossen, die sich vor der Redaktion aufgebaut hatten... Was unsere eigentliche Ohnmacht ausmachte, unsere krampfhaft überspielte Scham, das war die völlige Resonanzlosikeit dieses Verbots". Ralph Giordano - von den Nazis mit seiner Familie vom braunen Regime verfolgt -  brach im Frühjahr 1957 mit der illegalen KPD und schrieb das oben erwähnte Buch, das 1961 erschienen ist.

September 1947: Im wiedereröffneten Museum für Völkerkunde wird eine Wanderausstellung unter dem Titel "Kampf und Opfer" gezeigt, zusammengestellt vom Komitee ehemaliger politischer Häftlinge. Sie bleibt bis 5. Oktober in Hamburg.

In der "Scala" auf dem Heiligengeistfeld findet die Kundgebung der Jungsozialisten unter dem Thema "Bekenntnis der Jugend" statt. Der Bremer Senator für Wirtschaft und Arbeit, Hermann Wolters, spricht sich dafür aus, die Jugend zum Pazifismus zu erziehen. Er lehnt eine politische Anbindung Deutschlands sowohl an die USA als auch an die Sowjetunion strikt ab. Senat und Bürgerschaft veranstalten eine Gedenkwoche für die Opfer des Faschismus. Zahlreiche Gedenkfeiern finden in Betrieben statt, so beispielsweise auf der Howaldtswerft, bei Blohm & Voss, den Hamburger Gas- und Wasserwerken. Am 14. September findet eine Feier auf dem Ohlsdorfer Friedhof statt, die Redner sämtlicher Parteien würdigen den Widerstand der ermordeten Antifaschisten.

Nach der Statistik des Komitees ehemaliger politischer Gefangener waren 46 % der Häftlinge aus Hamburg Arbeiter, 21 % Angestellte, jeweils 10 % Kaufleute oder Militärangehörige, 2 Prozent Intellektuelle und 9 % Jugendliche unter 21 Jahren.

Im Herbst 1948 waren in Hamburg 12.000 Personen vom Komitee als politische Häftlinge anerkannt.

1948

Eröffnung des Theaters im Zimmer durch Helmuth Gmelin. Währungsreform in den drei Westzonen mit anschließender sowjetischer Blockade Berlins bis 1949. Nur sechs Hamburger Privattheater überleben: Kammerspiele, Zimmertheater, Ohnsorg Theater, St. Pauli-Theater, Flora-Theater und Operettenhaus. Das Harburger Theater wird im folgenden Jahr als städtische Bühne geschlossen. Damit sind nur noch drei städtische Theater in der Innenstadt übrig.

Die Freimaurerei wird von der englischen Großloge wieder zugelassen.

Grossmeister der „Alten, freien und angenommen Maurer“ (A.f.u.a.M.) ist Wilhelm Hintze

Am 12. April wird Jürgen J.Wenzel geboren.

1949

Die Verfassunggebende Versammlung verabschiedet das Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland. Der Volksrat verabschiedet die Verfassung der Deutschen Demokratischen Republik. Zwei deutsche Staaten werden ihrer Besatzungsmächte. Das Haus an der Kirchenallee (seit Kriegsende Garrison Theatre der Besatzungsmacht) steht dem Ensemble des Deutschen Schauspielhauses wieder zur Verfügung.

Gründung der Johannisloge "Friedrich Ludwig Schröder". Erster Meister vom Stuhl ist Erich Knothe.

1951 

Eröffnung des Jungen Theaters in der Innenstadt (heute Ernst-Deutsch-Theater an der Mundsburg) durch Friedrich Schütter.

1952

Das Erste Deutsche Fernsehen beginnt mit seinen Sendungen.

1951   

Das "Junge Theater" im Hause "Die Brücke" an der Neuen Rabenstraße

1953

Der Arbeiteraufstand in der DDR wird von der Sowjetarmee niedergeschlagen. Die Mehrheit der Wähler bestätigt die Politik des ersten Bundeskanzlers Konrad Adenauer: Errichtung einer sozialstaatlich gebundenen kapitalistischen Wirtschaftsordnung. Wirtschaftliche, politische und militärische Verflechtung Westdeutschlands mit den Besatzungsmächten, den Benelux-Staaten und Italien.

Der Hamburg-Block (CDU, FDP, DP, GB/BHE) bildet vier Jahre lang die einzige nicht-sozialdemokratische Regierung Hamburgs in der Nachkriegszeit.

Eröffnung des Parks Planten un Blomen, zur Internationalen Gartenbauausstellung.

Eröffnung des Neubaus des Operettenhauses, des St.Pauli Theaters und des Theaters 53 am Rothenbaum. Peter Ahrweiler verlegt sein 1946 eröffnetes Kabarett rendezvous in den Keller seines neugegründeten Boulevardtheaters Kleine Komödie am Neuen Wall.

1954

Hans Fitzes Harburger Theater beginnt die Bespielung des vom Deutschen Schauspielhaus aufgegebenen Hauses der Jugend Altona und etabliert sich als Altonaer Theater.

Gründung der Johannisloge "St. Michel am Strom" deren erster Stuhlmeister  Max Haller ist

1955 

Eröffnung des Neubaus der Hamburgischen Staatsoper. Gustaf Gründgens folgt Albert Lippert als Intendant des Deutschen Schauspielhauses bis 1963.

1956

Beginn des Aufbaus der Bundeswehr im Rahmen der NATO

1957

Die "Pamir" der Laeiz Reederei sinkt in einem Orkan im Atlantik. Die Getreideladung war verrutscht.

Das Theater "Das Schiff" wird von und mit Eberhard Möbius eröffnet.

1958

Gründung der Johannisloge "Zur Brudertreue an der Alster" die aus der 1885 gestifteten Loge

"Zur Brudertreue an der Elbe" hervorgegangen war. Gründung der Johannisloge "Die

Brückenbauer", Meister vom Stuhl ist Dr.Frederik Schmeelk

1959

Die SPD beschließt das Godesberger Programm.

Rolf Liebermann übernimmt die Leitung der Hamburger Staatsoper bis 1973. Er löst Heinz Tietjen ab.

1960

Beginn der Ostermarschbewegung gegen die Bewaffnung der Bundesrepublik mit Atombomben Eröffnung des Neubaus des Thalia Theaters

Der ehemalige Deutsch Meister im Schwergewicht (1951) Hein ten Hoff wird in die Johannisloge „Zur Bruderkette an der Alster“ aufgenommen

1961

Errichtung der Berliner Mauer.

In der Hamburgischen Staatsoper wird die Zauberflöte nur für Freimaurer aufgeführt. Die Besucher kommen mit Schurz.

1962

Regierungskrise und Rücktritt des Verteidigungsministers Franz-Josef Strauß wegen der Spiegel-Affäre.

Hamburger Sturmflut: 315 Menschen verlieren ihr Leben, 20 Prozent des Hamburger Staatsgebiets werden überschwemmt.

Erstes Gastspiel der Beatles im Hamburger Starclub.

Gründung der Johannisloge "Am rauen Stein". Meister vom Stuhl ist Ernstotto Pentzin

1964

Das Junge- (seit 1973 Ernst-Deutsch-) Theater zieht an die Mundsburg.

1965

Schließung des Theater 53

Der Grundstein zum HVV wird am 29. November 1965 gelegt: Im Rahmen eines Festaktes im Kaisersaal des Hamburger Rathauses wird die über Monate ausgehandelten Verträge unterzeichnet. Damit wird der Hamburger Verkehrsverbund als Dachorganisation der Hamburger Nahverkehrsunternehmen gegründet. Ihm gehören zunächst drei Verkehrsunternehmen an: Die Hamburger Hochbahn AG (HHA) mit allen Betriebszweigen, die Deutsche Bundesbahn mit der Hamburger S-Bahn und ihren Stadtbussen in Hamburg und die Verkehrsbetriebe Hamburg Holstein (VHH) mit ihren auf Hamburg ausgerichteten Buslinien. Als - zunächst - assoziierte Mitglieder gehören dem Verbund die Hamburg Blankenese-Este-Linie und die Hafendampfschifffahrt Aktiengesellschaft (HADAG) an, die 1976 voll dem Verbund beitreten. Ein Fahrplan, ein Tarif, eine Fahrkarte für ganz Hamburg - so einfach läßt sich das Ziel beschreiben, das die Gründungsväter des HVV verfolgten. Was uns heute selbstverständlich erscheint, ist damals fast eine Revolution, durch die sich ganz neue Möglichkeiten für die besondere Charakter des neuartigen Modells ist die umfassende und lückenlose Tarifintegration nahezu aller öffentlichen Nahverkehrsmittel in einem ungewöhnlich großen Verkehrsgebiet. 1.600 qkm Fläche mit 2,3 Millionen Einwohnern umfasst das HVV-Gebiet schon am Gründungstag. Selbst in Weltstädten wie London und Paris gibt es nichts Vergleichbares. Experten aus aller Welt kommen nach Hamburg, um sich zu informieren.

1966

Große Koalition unter Kurt-Georg Kiesinger (CDU) und Willy Brandt (SPD).

1966 treten die Eisenbahngesellschaft Altona-Kaltenkirchen-Neumünster (AKN), die Alsternordbahn GmbH (ANB) und die Elmshorn-Barmstedt-Oldesloer Eisenbahn Aktiengesellschaft (EBO) der HVV bei.

1967

Rats- und Bürgerbeschluss zur Aufhebung des Transitzolls nach Bergedorf.

1968

Attentat auf Rudi Dutschke, Proteste der APO gegen die Große Koalition und die Medienpolitik des Springer-Konzerns.

Eröffnung des Theaters für Kinder in Altona.

Der "TeleMichel" (Heinrich- Hertz-Turm) wird eingeweiht

1969

Erste sozialliberale Bundesregierung unter Willy Brandt (SPD) und Walter Scheel (FDP)

Unterzeichnung der Ostverträge, Zustimmung des Bundestags erst nach dem gescheiterten Misstrauensvotum

1972   

Boy Gobert löst Kurt Raeck in der Intendanz des Thalia Theaters ab.

Ivan Nagel wird Intendant des Deutschen Schauspielhauses. Eröffnung von Malersaal und TiK als Studiobühnen von Schauspielhaus und Thalia Theater und Gründung des Piccolo Theaters in Altona.

1973

August Everding löst Rolf Liebermann in der Intendanz der Hamburger Staatsoper ab. John Neumeier wird Ballettdirektor.

1974

Fortsetzung der sozialliberalen Koalition unter Helmut Schmidt (SPD) und Hans-Dietrich Genscher (FDP)

1975

Eröffnung der opera stabile als Studiobühne der Staatsoper und des Kabaretts "Das Schiff" im Nicolaifleet

1976

Eröffnung des Klecks-Theaters am Großneumarkt und des english theatre an der Mundsburg.

Die HADAG integriert sich im HVV.

1977

Christoph von Dohnanyi wird Intendant der Hamburger Staatsoper.

Eröffnung des Hauses im Park Bergedorf, einer Tourneetheaterspielstätte der Körberstiftung.

1979

Hamburger Theater-Krieg um die Nachfolge der Intendanten von Schauspielhaus und Thalia Theater, Ivan Nagel und Boy Gobert. Bürgermeister Hans-Ulrich Klose und Kultursenator Wolfgang Tarnowski benötigen ein Jahr, eine Zeitungsannonce und eine Findungskommission, um zwei neue Intendanten zu finden. Festival Theater der Nationen. Eröffnung der Avantgardetheater-Spielstätte Monsun in Altona.

Gründung der Johannisloge "Theodor Vogel". Erich Krumreich ist Meister vom Stuhl

1980

Der neue Schauspielhausintendant Niels-Peter Rudolph beginnt in den Ausweichspielstätten Operettenhaus und Kampnagel. Thalia Theater-Intendant wird Peter Striebeck. Beginn der Subventionierung von Freien Theatern in Hamburg, von denen zu dieser Zeit mindestens 100 existieren.

1981

Umstellung der letzten Hamburger Straßenbahnlinie auf Busbetrieb.

1982

Wende in Bonn: Bildung der Regierung Helmut Kohl (CDU/CSU) und Hans-Dietrich Genscher (FDP)

1983

Die Bundestagswahl bestätigt die konservativliberale Regierung in Bonn. Die Grünen ziehen erstmals in den Bundestag ein.

Eröffnung des Theaters am Holstenwall durch Helga Feddersen.

1985

Hamburgs Erster Bürgermeister Klaus von Dohnanyi in seiner Rede zur Wiedereröffnung des Deutschen Schauspielhauses: "Liebend gern sehen und hören wir unsere Klassiker, und wir sind überglücklich, wenn wir die alten Bekannten dann auf der Bühne auch wirklich wiedererkennen.," Diese Worte und ein Beschwerdebrief des Bürgermeisters führen zum Rücktritt des Intendanten Niels-Peter Rudolph. Peter Zadek und Jürgen Flimm übernehmen die Intendanzen von Schauspielhaus und Thalia Theater, Rolf Liebermann wird Nachfolger für Kurt Horres in der Intendanz der Staatsoper.

Eröffnung des Theaters Kleine Rampe in Bramfeld und des Imago Theaters in der Neustadt.

1986

Katastrophe im Kernkraftwerk Tschernobyl.

Nach der Bürgerschaftswahl 1982 zum zweiten Mal Hamburger Verhältnisse - ein Senat ohne Mehrheit im Parlament, ein Parlament ohne Koalitionsbereitschaft.

Premiere des Musicals "Cats" von Andrew Lloyd Webber im Operettenhaus. Kampnagel wird subventionierte Spielstätte des Freien Theaters.

Boy Gobert stirbt im Alter von 60 Jahren in Wien.

1987

Bei Neuwahlen zur Hamburger Bürgerschaft gelangt die FDP seit 1978 wieder über die Fünf-Prozent-Hürde und ermöglicht einen sozialliberalen Koalitionssenat.

Eröffnung des Forums der Musikhochschule und des Commedia Theaters in der Neanderstraße.

1988

Eröffnung der Komödie im Winterhuder Fährhaus unter Rolf Mares (ehemaliger Finanzbeamter) und des Kabaretts Schmidt am Spielbudenplatz.     

Impressario Corny Littmann gibt dem Amüsier-Stadtteil St. Pauli die ersten neuen Tendenzen. Er wird hier stark von Wilhelm (Willy) Bartels unterstützt.

Gerd Albrecht und Peter Ruzicka übernehmen die Leitung der umbenannten "Hamburg Oper".

Proteste gegen das Flora-Theater-Projekt des "Cats-Produzenten Friedrich Kurz im Schanzenviertel bewirken die Verlegung der Neubauplanung an die Holstenstraße.

1989

Ende der Intendanz Peter Zadeks am Deutschen Schauspielhaus. Mit Beginn der Spielzeit 1989/90 übernimmt Michael Bogdanov die Intendanz des deutschen Schauspielhauses.

Ida Ehre stirbt im Alter von 88 Jahren.

Festival "Theater der Welt".

800. Hafengeburtstag

1992

Maria Jepsen wird die erste Bischöfin in Hamburg

1993

John Neumeier ist seit 20 Jahren Ballettdirektor in Hamburg.

1997

Das Cinemaxx Kino wird am Dammtor eröffnet. Die Zeit der "Kleinkinos" ist vorbei. Das Fassungsvermögen von Cinemaxx I. sind 800 Zuschauer, die Leinwand ist so groß wie ein Tennisplatz.

Dr. Albin Hänseroth leitet als Intendant, Detlef Meierjohann als Direktor und Ingo Metzmacher als Generalmusikdirektor die Hamburgische Staatsoper. Unter den Premieren der ersten Saison sind hochgelobte Produktionen wie Wagners "Lohengrin" in der spektakulären Regie von Peter Konwitschny mit Eva Marton, Inga Nielsen, Thomas Moser und anderen weltberühmten Sängern und Leos Janáceks "Jenufa" in der von Presse und Publikum hymnisch gefeierten Inszenierung von Olivier Tambosi mit Karita Mattila, Eva Marton, Jan Blinkhof, Albert Bonnema.

Theaterdirektor Hans Fitze ist 85jährig gestorben.

Die Staatsopernsaison 1998/99 beginnt mit dem richtungsweisenden "Wozzeck" (Alban Berg) von Peter Konwitschny. Das Erfolgsteam Metzmacher/Konwitschny wird für die gemeinsame Arbeit im Herbst 1998 mit gleich drei renommierten Preisen ausgezeichnet: Für den "Lohengrin" erhält die Hamburgische Staatsoper den Bayerischen Theaterpreis, Ingo Metzmacher wird von der Zeitschrift "Opernwelt" zum Dirigenten des Jahres gekürt, Peter Konwitschny zu Regisseur des Jahres.

Außerdem erhält Ingo Metzmacher im Oktober den Klassik-Echo.

1999

Rolf Liebermann und August Everding sterben.

Albin Hänseroth kündigt seinen Vertrag als Staatsopernintendant vorzeitig.

Die Alsterschifffahrt (ATG) baut einen Solarkatamaran.

2000

Die Jahrtausend-Silvesterfeier wird zum Flop:

Dichte Nebel liegen über Alster und Elbe...

Quellen:

Adam von Bremen – Die Hamburger Chronik von 1898 – Theaterstadt Hamburg – Hamburger Abendblatt (Auszüge aus Berichterstattungen) – Matrikel der Hamburger Freimaurer – Zeitschrift des Vereins für Hamburgische Geschichte – Aufzeichnungen von Joachim (Jo) E.Wenzel, Privathistoriker und Archivar der Hamburgischen Staatsoper.


Nachtrag


Eine interessante Ansicht von Georg Wilhelm Flägel

-aufgeschrieben von Jürgen J.Wenzel ©1998-

Das Go-Ding der Sturmaren

Die Nordische Landnahme beginnt vor rund 8000 Jahren, rund 6000 v.Chr. kommen Späher der Nordleute in den Norden von Deutschland. Sie erkunden das Gebiet und teilten es in Goe (Gaue). Zu solchen Goen gehört auch der Go der Sturmaren. Die Westgrenze ist in der Stör, die Ostgrenze in der Bille. Als Sitz des Go-Ding errechnet man eine Insel in der Mündung der Alster in die Elbe. So eine Insel nennt man eine Burg (spr: buur). Später nennt man ein dort erbautes Gebäude eine Burg.

Ein Go-Ding ist ein Rechteck von 84 Steinen. Zu diesen Steinen kommt an jeder Ecke ein weiterer, größere Stein, Wärter oder Wächter genannt. Beim Go-Ding der Sturmaren sind es 88 Steine, das sind die mythischen Zahlen 50, 25 und 13. Noch älter sind die Go-Dinge in anderen Teilen von Europa. So entsteht das Go-Ding bei Stonehenge vor rund 20 000 Jahren! Es ist ein Ring von 56 Steinen, hier also von Säulen und einem in Nordost vor dem Ring liegenden weiteren Stein. Hier sind es 57 Steine, die mythischen Zahlen 50 und 7! Die mythischen Zahlen sind 7, 13, 25, 31 , 37, 43, 50. Die 13 ist durchaus eine glückliche Zahl, ist sie doch die Zahl der die Sonne! Ein Go-Ding verrät die Zahl 7.

Ein Go-Ding hat 7 Funktionen:

es ist eine ewige Uhr (24 Stunden!)

es ist ein Kalender

es ist eine Sternwarte,

es ist eine Kirche!

es ist ein Gericht (= Landgericht!)

es ist eine Gruft (für die Vorsitzenden des Go-Ding)

es ist ein Platz zum Versammeln.

Nur die Edlen haben Zutritt!  Zugang über die Süd-Ost-Ecke, 9 Uhr. Ein noch bestehendes Go-Ding ist das Hünengrab im Wald von Klecken, südlich von Harburg. Es besteht aus einem Rechteck von 84 Steinen. Die fehlenden Steine in den Lücken muss man sich denken. Zwei der vier Wächter fehlen.

Alle Go-Dinge auf der Erde stehen in einem bestimmten Verhältnis zum Heiligtum der Arier. An der Stelle des Heiligtums steht die Universität von Uppsala!Uppsala ist die heilige Stadt der Arier. Ein Go zerfällt in die Bereiche der Lot-Dinge. Das Gericht beim Go-Ding entspricht einem Landgericht, das beim Lot-Ding einem Amts-Gericht!

Am Sitz des Lot-Ding entstehen die ersten Siedlungen. In späterer Zeit entstehen Außenstellen der Siedlung.

Es entstehen die Gemarkungen.

Ein beim Go-Ding liegender Bereich eines Lot-Ding zerfällt in 7 Gemarkungen. Das Go-DingSo auch der Go der Sturmaren (jetzt: Stormarn). So zerfällt das Lot-Ding Bernebeke in Barmbek, Winterhude, Schmachthagen (mit Steilshoop), Hinschenfelde, Wandsbek, Eilbek und Hamme (das spätere Hamburg).

Die Gemarkungen liegen wie in einem Ring um das Urdorf. In einer Gemarkung können auch mehrere Orte liegen. Das Lot-Ding Tottensen (jetzt Ottensen) zerfällt in Ottensen, 0thmarschen, Bahrenfeld, Eidelstedt, Stellingen, Eimsbuttel, Borstel (mit Herwerdeshude). Das Lot-Ding (Groß) Borstel zerfällt in Groß Borstel, 0derfelde (mit Heimichhude), Lokstedt, Niendorf, Langenhorn, Fuhlsbüttel, Ohlsdorf (mit Klein Borstel und dem größten Teil von Alsterdorf). Weiter vom Go-Ding liegende Lot-Dinge zerfallen in 15 oder 19 oder 25 Gemarkungen. Zwischen 350 bis 400 n. Chr. entstehen die Rundlinge. Rundlinge sind Wehrdörfer, errichtet gegen die mit der Völkerwanderung aus dem Osten kommenden, nicht immer friedlichen Menschenströme. Rundlinge gibt es in einem zwischen 20 und 30 km breiten Streifen zwischen Kiel und Wien. Viele dieser Rundlinge bilden den Kern vieler bekannter Städte, wie Bardowick, Göttingen, Einbeck, Dassel usw. Auch das Dorf Hamme neben dem Go-Ding wandelt man in einen Rundling! Wenn ein Ort schon um 400 ein Rundling war, kann er nicht erst um 820 gegründet sein !Bei dem Dorfe Hamme ist schon vor Christi ein international bekannter Hafen! Zwischen 1500 und 600 v.Chr. enden hier die Bernsteinstraßen! Bernstein, das Gold des Nordens, ist begehrte Ware zum Handeln. Von Hamme (der Hafen lag an der späteren Kleine Bäckerstraße) erreicht man über die Verbindung, später "Vogelfluglinie" genannte Landbrücke, die Ostsee. Bernstein findet man an der Westseite der Ostsee und später auch in weiter nach Osten gelegenen Gebieten, wie Ostpreußen.

Die Sassen

Die Franken wollen auch das Gebiet "Sachsen" ihrem Staat angliedern. In vielen Kriegen setzen sie sich in den Besitz dieser Gebiete. 798 errichten die Franken auf dem Platz des Go-Ding als Brückenkopf zu der 794 errichten Hareburg ein Kastell.Ein Kastell ist ein von Palisaden umgebener Platz, auf dem man die nötigen Gebäude errichtet. Ein Wall fehlt bei einem Kastell. Man baut 2 Gebäude in Nord-Süd Richtung und zwischen beiden einen Quertrakt. In diesem errichtet man eine Kapelle.Aus dem Kastell wird der Dom als Sitz eines Bischofs. Nord-Elbien (Albignien) bestand zu der Zeit noch aus 3 Goen. Die beiden nördlichen Goe, Amronen (Amrum, die Insel liegt derzeit noch auf dem Festland) im Westen und Angeln im Osten, gehen vor 500 an die Dänen über. Sie bilden das spätere Herzogtum Schleswig. 2 Goe überlassen die Franken den Wenden. Das sind die Goe Faldera (jetzt Wagrien) und Polaben (jetzt Kreis Herzogtum Lauenburg). Auch das zwischen Polaben und der Oder liegende Gebiet gehörte zum Herzogtum der Sassen. Karl der Große siedelt aus diesem Gebiet mehr als 20.000 Familien um, und überlässt es den aus dem Osten zuströmenden Völkern. Karl will so einen Druck auf die Sassen ausüben. Doch dann errichtet er im Go Polaben den Nordlimes. In diesem Gebiet gibt es viele Rundlinge!

Franken, was sind das für Leute

Franken sind Sassen! Schauen wir uns ein paar Bereiche an: Sie beginnen an der Nordsee und reichen von der Königsau bis über das Rhein-Delta. Zwischen der Konigsau im Norden und der Eider im Süden liegt Amronen (der Name hängt noch an Amrum). Zwischen der Eider und der Elbe liegt Dithmarsien, zwischen der Elbe und der Weser (späteres Herzogtum Bremen) wohnen die Oster-Chauken, späterer Engerer genannt; und zwischen der

Weser und der Ems liegt das Gebiet der Wester-Chauken. Westlich von der Ems, im Bereich der jetzigen Niederlande, wohnen die Bataver. Die Engerer dehnen ihre Sitze nach dem Süden aus. Es ist der spätere Regierungsbezirk Hannover. Die Wester-Chauken reisen auch in den Süden, nach Westfalen.  Dann dehnen die Einwohner ihre Gebiete weiter aus, die West-Fälinger über die Ausläufer der hohen Gebiete an den Rhein. Sie sind die späteren salischen Franken. Die Bataver reisen über

das Delta des Rheines nach dem Süden. Sie sind die späteren Seefranken oder ripuarischen Franken. "Frank" bedeutet so viel wie Rand, Grenze. Franken sind über die Grenze gekommenen Sassen!Orte in den Bezirken Amronen, Dithmarschen, Ost- und Westchauken und Bataven haben meist den Anhang - un -, in anderen Gebieten zu -Hein- verschrieben.

Das Kastell

So errichten die Franken auf dem Go-Ding bei dem Dorfe Hamme ihr Kastell. Ein Kastell ist eine - von einer Palisadenwand umgebenes - meist als Rechteck angelegten Fläche. An den Ecken stehen die Wachttürme. Man hat von ihnen einen weiten Blick, denn das Go-Ding steht auf einer hohen Düne, mehr als 2 m über der Umgebung! In dem umhegten Platz errichtet man die Gebäude.Man errichtet 2 Nord-Süd-Hallen und einen Quertrakt. Die Anlage hatte die Form eines U, offen

nach Norden, denn von oben kommt das Glück! Im Quertrakt errichtet man eine Kapelle, eine der 4 Kapellen in den 3 Goen. Eine von ihnen ist eine Garnisonskirche, angenommener Ort ist die Stelle des Klosters in Itzehoe. Aus der Taufkapelle wird dann der Dom! Erst gibt es einen Prediger, Heridag, dessen Missions-Bereich die 5 Goe sind. Nach seinem Tod vereinigt man den Bereich mit dem Bistum Bremen.  Das neben dem Kastell stehende Dorf Hamme liegt im Bereich des Kastells. Da man aber in diesem Bereich nicht wohnen konnte, errichtet man für die neuen Siedler ein neues Dorf mit 8 Höfen, Eppendorf. Ep-Orte gibt es in der Pfalz, man hat also hier Siedler vom Rhein sesshaft gemacht. Aus dem Kastell wird der Dom831 gründet Kaiser Ludwig "der Fromme" in Hamme ein Bistum. Erster Bischof wird Ansgar, ein französischer

Mönch. Er erhält zur Ausstattung einzelne Höfe in den 5 Goe, ferner die Gemarkung Hamme, wobei der Kastell-Bereich unter Immunität gestellt wird, also reichsunmittelbares Gebiet ist. Papst Gregor IV (827 bis 844) bestätigt die Gründung des Bistums und wandelt es in ein Erzbistum um.Er unterstellt alle im Norden liegenden Staaten dem Erzbischof. Es sind Dänemark, Schweden, Norwegen, Island, Grönland und Vinland. (Das ist Nordamerika bis in die Gegend von Boston!

Zu dieser Zeit weiß man in Rom noch von diesem Land! Später verliert sich das Wissen über diese Gegend.)

Jetzt besiedelt sich auch das Dorf Hamme. Hofhaltung bringt Arbeit für Handwerker und Kaufleute. Man siedelt erst im alten Dorf. 845, am 15. Mai, bestätigt Kaiser Ludwig die Umwandlung des Bistums in ein Erzbistum. In der Urkunden des Papstes Gregor IV und Ludwig "der Fromme" taucht als Sitz des Erzbistums die Bezeichnung Hammaburg auf!  Wir wissen von den Zerstörungen des Domes und der Siedlung - durch Normannen und Wenden. Nach der Wenden-Zeit baut man den Dom wieder auf. Auch die Bewohner kommen zurück. Die Siedlung auf dem Hof des Erzbischofs blüht wieder auf. Adalbert, Erzbischof von Hamburg und Bischof von Bremen (1125 bis 1148) verwaltet das seit 1104 auf Nord-Albingien beschränkte Erzbistum noch ohne Dom-Kapitel. Zwischen 1130 und 1140 erbaut er eine Nebenkirche, die Kirche St.Peter und Paul (die Bezeichnung St.Peter kommt erst später auf!). Er wollte, wie der Bischof in Rom (der Papst) und der Bischof von Verden eine Bischofskirche haben. Er überträgt der Petri-Kirche auch das Kirchspiel des Domes! Dies ist eine der Ursachen für den Abriss des Domes 1804!

Die Domherren wohnen in Curien, einzelnen Höfen. Der Erzbischof, der sich mehr in Bremen als in Hamburg aufhält, gibt seinen Hof für den Bau einer Kirche her. Es alsoein Hof weniger als es Domherren gibt... Dann erst bildete der Erzbischof wieder ein Dom-Kapitel. 1195 überträgt Erzbischof Hartwig II. ( 1185 bis 1207 ) die Petri-Kirche auf das Domkapitel. Der Dom-Propst Hermann bestätigt 1195 diesen Übergang. Hartwig l. (1148 - 1168 ) Erzbischof von Hamburg und Bischof von Bremen läßt die Befestigung um die Immunität verbessern, legt mehrere Tore an und errichtet auch am Ostausgang beim Dom ein prächtiges Tor. Um 1151 läßt er einen Teil des Haidnischen Walls einebnen. Dort errichtet er eine Mura, er läßt dort Findlinge auslegen und auf diesen das Tor erbauen. Dieses Tor hat 2 Türme und ist im Wappen von Hamburg zu sehen. Der 3. - mittlere Turm, ist der (perspektivisch verschobene) Turm des Domes, wie man leicht am Kreuz über dem Turm erkennt. Dieses Tor ist Modell für viele andere Tore. So erbaut man die 3-Stein-Tore, das Spitalertor und auch das Holstentor in Lübeck (In Lübeck war der Erzbischof von Hamburg der Oberbischof!) sind nach diesem Tor errichtet! 

Die Stadt der Grafen

Von 1187 oder 1188 verdankt die Stadt ihre Entstehung dem Aufblühen der Siedlung in der Immunität. Die steigende Zahl der Bewohner und die günstige Lage an der Elbe tragen dazu bei. Die Grafen von Schauenburg, stets in Geldverlegenheit, suchen schon lange nach einer Gelegenheit, an dem Reichtum der Bürger Teil zu nehmenDa kommt ihnen ein Angebot besonders Recht: Ein Konsortium von Unterhändlern unter Leitung des Vogtes, dem Wirad von Boitzenburg, versucht die Grafen zur Gründung einer Stadt zu gewinnen. In einem Vertrag (ohne Datum!) kommt es zu einer Ratifizierung.Die Grafen geben die zwischen der Gemarkung Hamme und der Gemeinde Borstel liegenden Inseln zu diesem Zweck her. Dann genehmigte der Graf die Anlage eines Hafens "bis zur Mitte der Alster". Der Bereich liegt an der heutigen Bohnenstraße!

Die FälschungDann verspricht der Graf, er wolle ein Privileg des (gar nicht zu ständigen) Kaisers erwirken. Friedrich der Rote (Barbarossa) dachte kaum an ein Privileg. Dieses nicht vorhandene Privileg (eine Fälschung also) wird 1132 von Friedrich II. bestätigt. Der neue Hafen als Konkurrenz zum alten Hafen in der Immunität hat nur ein kurzes Leben, denn die Grafen legen um 1195 den Damm zum Stauen der Alster an. Die dann errichte Mühle bietet mehr Einnahmen als der tote Hafen. In der Dänenzeit (l202 bis 1227 ) kommt die Stadt zum Erliegen und 1216 ist sie Pleite! 1216 schließen sich die beiden Städte auf Vorschlag von Albrecht von Orlamünde, dem dänischer Herzog von Nordelbien, in der Form zusammen, dass sie zwar 2 Städte bleiben, aber nur einen Rat, ein Rathaus und ein Gericht haben. So ist die lästige Konkurrenz vernichtet. Zwei Gründe gibt es für diese Pleite von 1216:1195 stauen die Grafen die Alster. Sie legen auch eine Mühle an. Mit dem Staudamm vernichten sie auch die Benutzung des über dem Stau liegenden Teils des Hafens. 1202 gibt Erzbischof Hartwig II (1l85 bis 1207) der Siedlung auf seinem Hof den Status einer Stadt mit dem Recht der Stadt Lübeck. Die reichen Leute hatten allen Grund zum Ansiedeln in der Stadt der Erzbischöfe. Der Hafen der erzbischöflichen Stadt lag an der günstiger gelegenen Elbe! 1225, um Weihnachten, verlegt Gerhard II, Erzbischof von Hamburg und Bischof von Bremen (1219 bis 1258) die Verwaltungen von Erzbistum und Bistum nach Bremervörde. Das Dom-Kapitel in Hamburg wirft den Erzbischof aus Hamburg, nehmen ihm die Rechte des Erzbischofs, die auf das Dom-Kapitel übergehen. Sie lassen ihm den Titel "Erzbischof", der ja auch Oberbischof für die Bistümer Lübeck, Ratzeburg, Schwerin und Riga ist. 1228 tritt der Erzbischof den Grafen von Holstein und Stormarn die Stadt und die Gemarkung Hamme ab. 1292 erwirbt die Stadt die Rechte der Grafen über die beiden Städte und weitere Gemarkungen. Die Reformation bringt große Veränderungen. Das Dom-Kapitel verliert die Kirchen-Hoheit und ist auf den Bereich des Domes beschränkt. Es hat nur noch Einnahmen aus den Dörfern des Dom-Kapitel im Osten von Stormarn, unter Hoheit der Gottorper. 1582 zwingen sie das Domkapitel zum Abtreten der halben Einnahmen aus diesen Dörfern. 1802 erhält Hamburg den Bereich des Domes zu gesprochen. Die Stadt verzichtet auf die Kapitellsdörfer. Dabei stehlen die Herzöge von Holstein auch die beiden pinnebergischen Dörfer Poppenbüttel und Spitzerdorf (jetzt Teil der Stadt Wedel).

1848, mit dem Tod des letzten Domherrn erlischt das Erzbistum Hamburg. Für den Erhalt eines Gebäudes wie der Dom braucht man die Zinsen eines Kapitals von rund  1.000.000 MB Da dieses aber fehlte, bricht man den Dom ab. Nach Abbruch des Domes ebnet man die mehr als 2m hohe Düne ab, erhöhte die Straßen "Kleine Reichenstraße", "Große Reichenstraße" ,"Kleine Bäckerstraße" und "Schopenstehl" wie auch den Markt um 2 m auf, der jetzt ebene Platz dient dann als Exerzierplatz für die Bürgerwehr. 

Wo ist die Hammaburg

1841 erbaut man dann das im 2.Weltkrieg zerstörte Gebäude des Johanneums. Nach dem 2. Weltkrieg versucht man durch Ausgrabung eine Hammaburg zu finden. Man versucht es an der Stelle des Dom-Stegels, um 1892 abgerissen (die letzten Häuser verschwinden 1953 beim Bau der U-Bahn-Strecke "Jungfernstieg" nach "Meßberg". Bei Grabungen in der "Kleine Bäckerstraße" findet man den fast 3500 Jahre alten Hafen.  Man gedachte auch, die gewesene "Hammaburr" zu finden. Man reißt das defekte Gebäude "Johanneum" ab. Hier war Gelegenheit zum Graben, nur: Die Hammaburg wurde nicht gefunden!

Über den Nordteil des Platzes legt man eine Straße an, die man sinniger Weise "Domstraße" nannte, obwohl es schon eine Straße mit diesem Namen gibt. 1980 beginnt man mit Grabungen auf dem mittleren und südlichen Teil des Domplatzes. Man will den nie gewesenen Wall der nie gewesenen Hammaburg ausgraben... Allerdings hat man damals beschlossen, dass dieser Platz als Gedenkstätte erhalten bleiben solle, frei von Hochhausbebauung.

2005 beginnen neue, umfangreiche Ausgrabungen – bis zum September hat man die Hammaburg noch nicht gefunden…

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